Programmiersprachen für Einsteiger

SoftwareentwicklungAktualisiert am 14. Juli 20269 Min. Lesezeit

Die Frage nach der besten ersten Programmiersprache hat keine allgemeingültige Antwort, aber eine gute Faustregel: Die richtige Sprache ist die, in der das erste eigene Projekt am schnellsten läuft.

Wer programmieren lernt, lernt zu etwa achtzig Prozent Konzepte, die in jeder Sprache gleich sind: Variablen, Bedingungen, Schleifen, Funktionen, Datenstrukturen, Fehlerbehandlung. Nur der Rest ist sprachspezifisch. Deshalb ist die Wahl der ersten Sprache weniger folgenreich als oft angenommen. Sie beeinflusst vor allem, wie schnell sich erste sichtbare Ergebnisse einstellen, und das entscheidet häufig darüber, ob jemand dranbleibt.

Python

Python ist für die meisten Einsteiger die naheliegende Wahl. Die Syntax kommt mit wenig Zeichenrauschen aus, ein lauffähiges Programm besteht oft aus wenigen Zeilen, und der Sprung vom Gelesenen zum Verstandenen ist kurz. Dazu kommt eine sehr große Sammlung fertiger Bibliotheken für Datenauswertung, Automatisierung, Web-Anwendungen und maschinelles Lernen.

Der Preis dafür: Python ist zur Laufzeit langsamer als kompilierte Sprachen, und Typfehler zeigen sich erst beim Ausführen. In größeren Projekten wird das spürbar, weshalb dort optionale Typangaben üblich geworden sind. Für den Einstieg und für sehr viele produktive Anwendungen ist die Geschwindigkeit dennoch ausreichend.

Java

Java ist statisch typisiert und ausdrücklicher. Jede Variable hat einen festgelegten Typ, der Übersetzer prüft vieles bereits vor dem Start. Ein Programm, das nur etwas ausgibt, braucht mehr Gerüst als in Python, dafür erklärt sich die Struktur größerer Anwendungen besser.

Java ist im Unternehmensumfeld stark verbreitet, besonders in langlebigen Systemen mit vielen Beteiligten. Genau dort zahlt sich der strengere Übersetzer aus: Er findet Fehlerklassen, die sonst erst im Betrieb auffallen. Wer Java als erste Sprache lernt, versteht objektorientierte Konzepte meist gründlicher, weil die Sprache sie einfordert statt anbietet.

C++

C++ gibt direkte Kontrolle über Speicher und Hardware. Das macht es zur Sprache der Wahl, wenn jede Millisekunde zählt: Betriebssysteme, Spiele-Engines, eingebettete Systeme, Signalverarbeitung. Diese Kontrolle bringt Verantwortung mit sich, denn Speicherfehler führen zu Abstürzen oder Sicherheitslücken statt zu einer verständlichen Fehlermeldung.

Modernes C++ hat vieles entschärft, etwa durch Zeiger mit automatischer Freigabe. Als erste Sprache bleibt C++ trotzdem anspruchsvoll, weil man Konzepte lernen muss, die anderswo verborgen sind. Wer Hardware-nahe Themen anstrebt, ist damit richtig, und der Blick auf die zugrundeliegende Hardware lohnt sich parallel.

Objektorientierung, ohne Buzzwords

Objektorientierte Programmierung bündelt Daten und die zugehörigen Funktionen in einer Einheit. Statt Daten durch das Programm zu reichen und überall Funktionen darauf anzuwenden, bekommt jedes Objekt seine Zuständigkeit. Vier Begriffe fallen dabei regelmäßig:

Eine hilfreiche Faustregel: Vererbung nur dort einsetzen, wo eine echte Ist-ein-Beziehung besteht. In vielen Fällen ist Zusammensetzung, also das Verwenden anderer Objekte als Bausteine, die flexiblere Lösung.

Wie der Einstieg realistisch gelingt

Der häufigste Fehler ist das Sammeln von Kursen ohne eigenes Projekt. Wissen über Syntax entsteht schnell, Können entsteht beim Lösen eigener Probleme. Empfehlenswert ist ein kleines, persönlich nützliches Vorhaben: eine Auswertung wiederkehrender Dateien, ein Werkzeug zum Umbenennen, eine kleine Übersicht über eigene Daten.

Von Anfang an mitlernen lohnt sich bei zwei Dingen: Versionskontrolle mit Git und dem Schreiben kleiner Tests. Beides wirkt anfangs wie Zusatzaufwand und spart ab dem ersten größeren Projekt ein Vielfaches davon ein. Hintergründe dazu in den Artikeln zu DevOps und CI/CD und Softwaretests.

Und danach?

Die zweite Sprache fällt deutlich leichter als die erste, weil die Konzepte bereits sitzen. Sinnvoll ist eine Sprache mit anderem Charakter: Wer mit Python begonnen hat, lernt an einer statisch typisierten Sprache viel über Struktur. Wer mit Java begonnen hat, erlebt in Python, wie viel Gerüst wegfallen kann. Für Webprojekte kommt JavaScript hinzu, ohne echte Alternative im Browser. Wie Datenbanken angebunden und Schnittstellen entworfen werden, gehört ebenfalls dazu, siehe die Übersicht Softwareentwicklung.

Häufige Fragen

Welche Programmiersprache eignet sich am besten für den Einstieg?

Für die meisten Einsteiger Python, weil sich mit wenig Code schnell sichtbare Ergebnisse erzielen lassen. Wer Hardware-nahe Themen anstrebt, ist mit C++ besser bedient, wer in großen Unternehmenssystemen arbeiten will, mit Java.

Muss ich objektorientierte Programmierung von Anfang an lernen?

Nicht sofort. Grundlagen wie Variablen, Schleifen und Funktionen kommen zuerst. Objektorientierung wird relevant, sobald Programme so groß werden, dass ihre Struktur wichtiger wird als einzelne Funktionen.

Wie lange dauert es, programmieren zu lernen?

Erste eigene kleine Programme gelingen meist nach wenigen Wochen. Entscheidend ist weniger die Zeit als das eigene Projekt: Können entsteht beim Lösen eigener Probleme, nicht beim Durcharbeiten von Kursen.