Für die meisten Einfamilienhäuser reicht eine KNX Visualisierung mit kleinem KNX Server wie Gira X1 (rund 825 Euro) oder Jung Smart Visu Server (rund 590 Euro). Wer selbst administriert, bekommt mit Home Assistant eine Open-Source-Lösung. Die Oberfläche entsteht immer auf einem fertig programmierten ETS-Projekt.
Eine KNX Visualisierung, kurz Visu, ist die grafische Benutzeroberfläche Ihres Smart Home. Damit bedienen Sie Licht, Rollladen, Heizung und jede Szene auf Smartphone, Tablet, Touchpanel oder im Browser. Fast alle ausgereiften Lösungen sind keine reine Software: Das Programm läuft auf einem eigenen KNX Server, der als Zentrale Dauerbetrieb, Logiken und Fernzugriff übernimmt. Mit über 40 Systemen ist die Auswahl laut PEAKnx groß, smartest-home.com spricht von rund 50.
Transparenz: Mit * markierte Links sind Partnerlinks. Wenn Sie darüber kaufen, erhalten wir eine Provision, der Preis ändert sich für Sie nicht. Wir haben die Systeme nicht selbst getestet. Die Übersicht stützt sich auf Herstellerangaben, Dokumentationen und einen öffentlichen Vergleich von smartest-home.com. Dieser Anbieter verkauft selbst Kurse und plant KNX-Häuser, ist also keine neutrale Quelle.
KNX Visualisierung im Vergleich: Hersteller und Server
Die Preise nennt der Vergleich von smartest-home.com (Stand Januar 2026). Sie gelten für den Server ohne Touchpanel und ohne Einrichtung. Prüfen Sie den aktuellen Preis vor dem Kauf.
| Lösung | Server | Preis Server | Bedienung | Passt für |
|---|---|---|---|---|
| Jung Smart Visu Server | Jung Visu Server (Hutschiene) | 590 Euro | App, Browser | einfachere Häuser und Wohnungen |
| Enertex EibPC 2 | EibPC 2 mit Web-Option (Hutschiene) | gut 800 Euro | nur Browser, keine App | Technikbegeisterte mit Fokus auf Logik |
| Gira Smart Home App | Gira X1 (Hutschiene) | 825 Euro | App, Gira G1 | normale Einfamilienhäuser |
| Babtec Cubevision 2 | EIBPORT | knapp 1.200 Euro | App (iOS, Android), Windows | Projekte mit vielen Einzelsymbolen |
| Gira HomeServer App und QuadClient | Gira HomeServer 4 (eigenes Gehäuse) | rund 2.200 Euro | App, Windows, Browser | große Häuser mit viel Logik |
| Ekinex Delego | Delego-Server (Hutschiene) | nur über Partner | App, eigene Touchpanels | Projekte mit eigenen Raumbildern |
| Basalte Home | Core Mini oder Core Plus | nur über Partner | App, Browser, eigene Panels | hochwertige Häuser mit Multiroom-Audio |
| Home Assistant | eigene Hardware | Software kostenlos | App, Browser | Selbstadministrierende |
Welcher KNX Server passt zu welchem Projekt?
Gira X1 ist für viele Häuser der naheliegende Einstieg. Er sitzt im Schaltschrank, wird mit der kostenlosen Gira-Software GPA eingerichtet und per Gira Smart Home App bedient. Laut Gira lassen sich Oberfläche und Szenen in der App anpassen und Geräte wie Philips-Hue-Leuchten einbinden. Der Vergleich nennt als Vorteil die einfache Einrichtung und kritisiert, dass sich keine eigenen Hintergrundbilder für Räume hinterlegen lassen.
Der Jung Smart Visu Server ist die günstigste Lösung in der Tabelle und gilt als direkter Gegenspieler des X1. Die Oberfläche wirkt laut Vergleich älter und kleinteiliger, für einfachere Objekte kann das genügen.
Der Gira HomeServer ist die älteste Lösung im Feld und zielt auf professionelle, komplexe Projekte: viele Logiken, Kameras, Türsprechanlagen, Fremdsysteme. Der Funktionsumfang ist groß, das Programmieren deutlich aufwendiger. Details stehen in unserem Ratgeber Gira HomeServer: Funktionen, Kosten und Programmierung.
Basalte Home belegt im Vergleich Platz 1, vor allem wegen der reduzierten Bedienung und der Musiksteuerung für viele Räume. Basalte verkauft jedoch nur über spezialisierte Partner, einen öffentlichen Preis gibt es dort nicht. Das gilt ebenso für Ekinex Delego, dessen Visu eigene Raumbilder erlaubt. Wer selbst programmieren möchte, sollte diese Bindung vorab klären.
Open Source: Home Assistant, openHAB, FHEM und CometVisu
Wer keinen Server vom Hersteller kaufen möchte, findet freie Software und kann seine Visu selbst bauen. Home Assistant bringt eine KNX-Integration mit und braucht laut Dokumentation eine lokale KNX/IP-Schnittstelle oder einen KNX/IP-Router. openHAB bindet KNX über ein Binding und ebenfalls über ein IP-Gateway an. CometVisu ist eine frei anpassbare Open-Source-Visualisierung für Wandpanels, Tablets und Smartphones. FHEM läuft als Dienst auf einem Rechner im Dauerbetrieb und richtet sich an erfahrene Nutzer.
Der Preisvorteil hat eine Kehrseite: Lizenzkosten entfallen, doch Hardware, Schnittstelle, Updates, Datensicherung und Fehlersuche liegen bei Ihnen. Für jemanden, der ohnehin einen eigenen Server betreibt, ist das vertraut. Soll das Haus auch ohne den technikaffinen Bewohner bedienbar und wartbar bleiben, ist eine Herstellerlösung meist die robustere Wahl. Die Grundfragen dazu kennen Sie aus dem Selbsthosting, etwa von Nextcloud.
Touchpanels und Sprachsteuerung
Für die feste Bedienung an der Wand gibt es eigene Panels der Hersteller oder offene Geräte. PEAKnx lässt auf seinen Panels Controlpro und Controlmini nach eigener Aussage alle Windows- und webbasierten Visualisierungen zu und liefert mit YOUVI eine eigene Visu für die Basisfunktionen mit. Weitere Funktionen wie Alexa oder Logiken kommen dort als Erweiterung hinzu. Laut Gira reagiert auch der X1 in Kombination mit Sprachassistenten wie Alexa auf Sprachbefehle. Sicherheitsrelevante Funktionen sollten Sie trotzdem nicht allein per Sprachsteuerung auslösen.
Eine weitere Option für Anfänger ist knXpresso, ein fertiges Gerät mit kostenloser Basisversion und Profi-Version, das der Händler ESTADA als benutzerfreundlich beschreibt. Unabhängig geprüft haben wir das nicht.
So wählen Sie die passende KNX Visualisierung aus
- Anforderung und Funktionen notieren. Licht, Beschattung und Heizung beherrschen alle Systeme. Unterschiede zeigen sich bei Audio, Türsprechanlage, Kameras, Energieanzeige, Sprachsteuerung und Logiken.
- Bediengeräte festlegen. Reicht das Smartphone, oder soll ein Touchpanel an die Wand? Enertex hat laut Vergleich keine App, der Gira QuadClient läuft nur unter Windows.
- Einrichtung und Support klären. Wollen Sie selbst einrichten oder soll ein Integrator das automatisiert übernehmen? Partnerbindung, Support und Umfang der Konfiguration unterscheiden sich stark.
- Benutzerfreundlich testen. Eine gute Oberfläche führt mit wenigen Klicks zur Funktion. Schauen Sie sich Ihre Favoriten vorab an, etwa in Demos, auf YouTube, in Reviews oder im Showroom.
- Gesamtkosten rechnen. Zum Server kommen ETS-Lizenz, Panels, Erweiterungen und Arbeitszeit.
- Fernzugriff absichern. Das Heimnetz gehört nicht offen ins Internet. Trennen Sie Geräte, wie es unter Zero Trust und Netzwerksicherheit beschrieben ist. KNX Secure verschlüsselt zusätzlich die Kommunikation, sofern die Geräte es unterstützen.
Warum die KNX Visualisierung die Programmierung nicht ersetzt
Jede Visu greift auf Gruppenadressen zu, die vorher in der ETS angelegt wurden. Die ETS ist laut KNX Association das einzige Werkzeug für Planung und Konfiguration von KNX-Projekten und läuft unter Windows. Eine saubere Struktur der Gruppenadressen spart bei jeder KNX-Installation später viel Arbeit, denn die Server übernehmen sie aus dem exportierten Projekt.
Wer das selbst lernen will, findet die Wege in unserem Vergleich KNX Kurs: Grundkurs, eCampus oder Videokurs. Der KNX-Videokurs von Frank Völkel* behandelt das gesamte ETS-Projekt, zur Visualisierung selbst aber nur die Vorbereitung: Zwei Abschnitte mit zusammen rund 45 Minuten bereiten Gruppenadressen und Server-Einbindung vor. Der Kurs kostete am 06.11.2026 im Bestellformular 299 Euro. Für den HomeServer gibt es einen eigenen Videokurs Gira Homeserver programmieren*, ebenfalls 299 Euro.
Fazit
Starten Sie mit dem Bedarf und nicht mit der Oberfläche. Für ein normales Haus sind Gira X1 oder Jung Smart Visu Server meist ausreichend, für viel Logik der Gira HomeServer, für hohe gestalterische Ansprüche eine Partnerlösung wie Basalte. Open Source lohnt sich, wenn Sie den Betrieb dauerhaft selbst tragen wollen. Tiefer in die vernetzte Technik im Gebäude führt unser Beitrag zur Zukunft des IoT.
Häufige Fragen
Was ist die beste KNX-Visualisierung?
Das hängt vom Haus ab. Im Vergleich von smartest-home.com liegt Basalte Home vorn, gefolgt von der Gira Smart Home App. Unabhängig ist dieser Vergleich nicht, und Basalte ist nur über Partner erhältlich.
Gibt es eine kostenlose KNX-Visualisierung?
Ja. Home Assistant, openHAB und CometVisu sind Open Source. Sie brauchen aber eigene Hardware und in der Regel eine KNX/IP-Schnittstelle, außerdem tragen Sie Updates und Fehlersuche selbst.
Brauche ich für die Visualisierung die ETS?
Für die KNX-Programmierung ja, denn sie ist die Grundlage. Die Oberfläche selbst richten Sie mit der jeweiligen Software des Servers ein, bei Gira etwa mit GPA oder Experte, die der Hersteller kostenlos anbietet.
Läuft KNX-Visualisierungssoftware auf dem Mac?
Die ETS läuft nur unter Windows, auf dem Mac also nur virtualisiert. Apps und Browser-Oberflächen lassen sich dagegen oft auf jedem Gerät nutzen. Der Gira QuadClient ist auf Windows beschränkt.