Cloud-Migration planen: Bestandsaufnahme, Migrationswege und Umstellung

Cloud ComputingAktualisiert am 15. Oktober 202610 Min. Lesezeit

Eine Cloud-Migration verändert, wo Anwendungen und Daten betrieben werden und wie Mitarbeitende darauf zugreifen. Damit der Wechsel den Arbeitsalltag möglichst wenig stört, sollten Sie vorab klären, welche Systeme betroffen sind, welche Abhängigkeiten bestehen und in welcher Reihenfolge die Umstellung erfolgen soll.

Warum eine gute Planung den Unterschied macht

Eine sorgfältige Planung hilft dabei, Aufwand und Risiken realistisch einzuschätzen. Sie schafft außerdem eine gemeinsame Grundlage für IT-Verantwortliche, Fachbereiche und externe Dienstleister. Das Ziel ist nicht, möglichst schnell alles zu verlagern. Entscheidend ist ein nachvollziehbarer Ablauf, der zu den Anforderungen Ihres Unternehmens passt.

Legen Sie zunächst fest, was mit der Migration erreicht werden soll. Mögliche Ziele sind eine bessere Verfügbarkeit, eine einfachere Verwaltung oder die Ablösung veralteter Infrastruktur. Formulieren Sie die Ziele so konkret, dass sich später feststellen lässt, ob die Umstellung den gewünschten Nutzen bringt. Welche Betriebsmodelle dafür infrage kommen, zeigt die Themenseite Cloud Computing.

Bestandsaufnahme: Was soll in die Cloud?

Bevor Sie einen Migrationsweg auswählen, benötigen Sie ein möglichst vollständiges Bild Ihrer IT-Umgebung. Berücksichtigen Sie nicht nur Server und Anwendungen, sondern auch Daten, Schnittstellen, Nutzergruppen und betriebliche Abläufe.

Anwendungen und Abhängigkeiten erfassen

Erstellen Sie eine Übersicht aller Anwendungen, die für den Betrieb wichtig sind. Halten Sie fest, wofür jede Anwendung genutzt wird, wer dafür verantwortlich ist und welche anderen Systeme sie benötigt. Eine Anwendung kann beispielsweise Daten aus einer weiteren Software beziehen oder auf einen gemeinsamen Dateispeicher zugreifen.

Solche Verbindungen werden leicht übersehen, wenn Informationen nur bei einzelnen Mitarbeitenden liegen. Sprechen Sie deshalb mit den Teams, die die Anwendungen tatsächlich verwenden. Fragen Sie nach wiederkehrenden Abläufen, benötigten Daten und möglichen Ausweichverfahren, falls ein Dienst vorübergehend nicht verfügbar ist.

Eine Bestandsaufnahme kann folgende Punkte enthalten:

Kennzeichnen Sie außerdem Systeme, die nicht ohne Weiteres verändert werden können. Dazu zählen Anwendungen mit speziellen technischen Voraussetzungen oder solche, deren Anbieter bestimmte Betriebsumgebungen verlangen. Diese Einschränkungen beeinflussen die spätere Reihenfolge und den geeigneten Migrationsweg.

Daten und Anforderungen prüfen

Daten unterscheiden sich nach Zweck, Sensibilität und Nutzung. Erfassen Sie, welche Daten eine Anwendung verarbeitet, wer darauf zugreifen darf und ob sie mit anderen Systemen ausgetauscht werden. Prüfen Sie auch, ob Daten aufbewahrt, regelmäßig aktualisiert oder nach bestimmten Regeln gelöscht werden müssen.

Beziehen Sie die zuständigen Fachleute ein, wenn interne Vorgaben, vertragliche Vereinbarungen oder gesetzliche Anforderungen eine Rolle spielen. Die konkrete Bewertung hängt von den Umständen Ihres Unternehmens ab. Bei rechtlichen Fragen sollten Sie fachkundige Beratung einholen. Welche Prüfpunkte beim Speichern personenbezogener Daten in der Cloud anfallen, beschreibt der Beitrag zu Cloud-Speicher und DSGVO.

Neben dem Datenbestand sind technische Anforderungen wichtig. Dazu gehören etwa die Reaktionszeiten, auf die Arbeitsabläufe angewiesen sind, sowie die Zahl und Art der Zugriffe. Halten Sie fest, welche Zeiten für Wartung oder Unterbrechungen infrage kommen und welche Anwendungen besonders kritisch sind.

Ziele, Zuständigkeiten und Rahmen festlegen

Eine Migration betrifft oft mehrere Bereiche. Bestimmen Sie daher früh, wer Entscheidungen treffen darf und wer einzelne Aufgaben übernimmt. Für jede Anwendung sollte eine verantwortliche Person benannt sein, die fachliche Anforderungen bestätigen und offene Fragen klären kann.

Legen Sie außerdem fest, wer technische Änderungen umsetzt, wer Zugänge verwaltet und wer bei Störungen informiert werden muss. Eine klare Zuständigkeit verhindert, dass wichtige Aufgaben zwischen Teams liegen bleiben.

Sinnvoll ist ein gemeinsamer Rahmen für die Planung. Darin können Sie festhalten:

Planen Sie auch Zeit für Kommunikation ein. Mitarbeitende sollten wissen, wann Änderungen anstehen, was sich für sie verändert und an wen sie sich bei Fragen wenden können. Eine kurze, verständliche Information ist meist hilfreicher als eine rein technische Mitteilung.

Cloud-Migration planen: geeigneten Weg auswählen

Nicht jede Anwendung muss auf dieselbe Weise in die Cloud wechseln. Der passende Weg hängt unter anderem davon ab, wie wichtig das System ist, welche technischen Einschränkungen bestehen und wie viel Anpassung sinnvoll ist. Prüfen Sie die Möglichkeiten für jede Anwendung einzeln.

Übernehmen, anpassen oder ersetzen

Bei einer weitgehend unveränderten Übernahme, häufig als Rehost oder Lift-and-Shift bezeichnet, wird eine Anwendung in eine neue Betriebsumgebung verschoben, ohne ihren Aufbau grundlegend zu verändern. Dieser Weg kann die notwendigen Anpassungen begrenzen. Er ist jedoch nicht für jedes System geeignet und löst nicht automatisch bestehende technische oder organisatorische Probleme.

Eine andere Möglichkeit ist, die Anwendung vor dem Wechsel anzupassen. Je nach Umfang ist von Replatform (einzelne Anpassungen an die neue Umgebung) oder Refactor (Umbau der Anwendung) die Rede. Das kann nötig sein, wenn sie mit den vorgesehenen Cloud-Diensten zusammenarbeiten soll oder bestimmte Abhängigkeiten beseitigt werden müssen. Solche Änderungen erhöhen den Planungsbedarf und sollten mit den betroffenen Fachbereichen abgestimmt werden. Ob eine Anwendung danach in Containern oder in virtuellen Maschinen laufen soll, behandelt der Beitrag Container und virtuelle Maschinen; bei einem tieferen Umbau kommen auch Funktionsdienste infrage, siehe Serverless Computing.

Manche Anwendungen lassen sich durch einen anderen Dienst ersetzen (Replace oder Repurchase). In diesem Fall geht es nicht allein um die technische Verlagerung. Sie müssen auch Funktionen, Datenübernahme, Zugriffsrechte und Arbeitsabläufe vergleichen. Prüfen Sie, ob die neue Lösung die Anforderungen der Nutzerinnen und Nutzer erfüllt und ob Daten vollständig übertragen werden können. Ein weiterer Prüfpunkt ist, wie sich die Daten später wieder exportieren lassen, damit ein erneuter Wechsel nicht an der Bindung an einen Anbieter scheitert.

Es kann auch sinnvoll sein, eine Anwendung zunächst unverändert weiter zu betreiben oder ihre Ablösung separat zu planen. Eine Migration ist kein Selbstzweck. Wenn der Nutzen eines Wechsels unklar ist oder wichtige Voraussetzungen fehlen, kann eine spätere Entscheidung die bessere Grundlage bieten.

Reihenfolge und Abhängigkeiten bestimmen

Ordnen Sie die Anwendungen nach ihrer Bedeutung und ihren technischen Verbindungen. Ein System, das Daten für mehrere andere Anwendungen bereitstellt, kann die Reihenfolge beeinflussen. Ebenso sollten Anwendungen mit vielen Nutzenden oder kritischen Betriebsabläufen besonders sorgfältig vorbereitet werden.

Wählen Sie den ersten Schritt nicht nur danach aus, was am einfachsten erscheint. Eine weniger zentrale Anwendung kann sich für einen begrenzten ersten Umstieg eignen, wenn sich dabei Vorgehen, Zuständigkeiten und Kommunikation nachvollziehbar abstimmen lassen. Übertragen Sie gewonnene Erkenntnisse anschließend auf weitere Schritte.

Planen Sie Übergänge zwischen den Systemen ausdrücklich ein. Dazu gehören die Datenübertragung, die Prüfung von Zugriffsrechten und die Frage, wann das bisherige System nicht mehr benötigt wird. Legen Sie fest, wie Sie mit Abweichungen umgehen und unter welchen Bedingungen Sie einen geplanten Schritt unterbrechen.

Sicherheit und Zugänge mitplanen

Sicherheit sollte während der gesamten Vorbereitung berücksichtigt werden. Klären Sie, welche Personen Zugriff benötigen und welche Berechtigungen für ihre Aufgaben erforderlich sind. Übernehmen Sie bestehende Zugänge nicht ungeprüft, wenn sich Zuständigkeiten oder Arbeitsabläufe ändern.

Beziehen Sie außerdem die Verwaltung von Konten, Anmeldeverfahren und Protokollen in die Planung ein. Zuständigkeiten sollten nachvollziehbar sein: Wer richtet Zugänge ein, wer ändert Berechtigungen und wer prüft sie später? Die Antworten können je nach Unternehmen und eingesetzten Diensten unterschiedlich ausfallen.

Planen Sie, wie Daten während der Übertragung geschützt werden und wie Sicherungen in das neue Betriebsmodell passen. Klären Sie auch, wer im Fall einer Störung informiert wird und welche Schritte zur Wiederaufnahme des Betriebs vorgesehen sind. Für Sicherheitsanforderungen, die besondere Fachkenntnisse verlangen, sollten Sie qualifizierte Unterstützung hinzuziehen.

Die Umstellung vorbereiten und begleiten

Bevor Sie einen Umstellungsschritt starten, sollten die nötigen Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehören geklärte Zuständigkeiten, verfügbare Zugänge, abgestimmte Datenbestände und eine verständliche Information für die betroffenen Teams. Halten Sie fest, woran Sie erkennen, dass die Anwendung nach dem Wechsel wie vorgesehen funktioniert.

Führen Sie die Schritte kontrolliert aus und dokumentieren Sie Entscheidungen sowie offene Punkte. Prüfen Sie anschließend gemeinsam mit den Nutzenden, ob wichtige Abläufe möglich sind und ob die benötigten Daten verfügbar sind. Bei Problemen sollte klar sein, wer sie bewertet und wer über weitere Maßnahmen entscheidet.

Vermeiden Sie es, alte Systeme sofort abzuschalten, bevor die zuständigen Personen den neuen Ablauf geprüft haben und die nötigen Übergänge geklärt sind. Wie lange ein bisheriges System verfügbar bleiben kann, hängt von technischen, vertraglichen und organisatorischen Bedingungen ab. Stimmen Sie den Zeitpunkt deshalb mit den Verantwortlichen ab.

Nach jeder Umstellung sollten Sie die Dokumentation aktualisieren. Dazu zählen geänderte Zuständigkeiten, Zugänge, Schnittstellen und Betriebsabläufe. So bleibt die Übersicht auch nach dem Projekt nutzbar und erleichtert spätere Anpassungen. Wie sich die laufenden Ausgaben nach dem Wechsel im Blick behalten lassen, zeigt der Beitrag Cloud-Kosten kontrollieren.

Fazit

Eine gut geplante Cloud-Migration beginnt mit einer belastbaren Übersicht über Anwendungen, Daten und Abhängigkeiten. Wenn Sie Ziele, Zuständigkeiten, Migrationswege und Sicherheitsanforderungen vorab klären, lässt sich die Umstellung in nachvollziehbare Schritte gliedern. So behalten Sie auch nach dem Wechsel den Überblick über Systeme und Arbeitsabläufe.

Häufige Fragen

Kann eine Cloud-Migration während der regulären Arbeitszeit stattfinden?

Das hängt davon ab, welche Anwendungen betroffen sind und ob die Umstellung ihre Nutzung unterbricht. Stimmen Sie den Zeitpunkt mit den betroffenen Teams ab und klären Sie vorab, welche Arbeitsabläufe währenddessen möglich bleiben müssen. Bei kritischen Anwendungen kann ein abgestimmtes Wartungsfenster erforderlich sein.

Welche Bedeutung hat der Standort eines Cloud-Rechenzentrums?

Der Standort kann für Datenschutz, vertragliche Anforderungen und den Zugriff auf Daten relevant sein. Welche Anforderungen für Ihr Unternehmen gelten, hängt von den verarbeiteten Daten und den jeweiligen Rahmenbedingungen ab. Klären Sie die Auswahl deshalb mit den zuständigen Fachleuten.

Was sollte nach Projektabschluss dokumentiert bleiben?

Bewahren Sie eine aktuelle Übersicht der migrierten Anwendungen, ihrer Zuständigkeiten und ihrer Verbindungen zu anderen Systemen auf. Dokumentieren Sie außerdem wesentliche Entscheidungen und Betriebsabläufe, die für Wartung oder Änderungen wichtig sind. Achten Sie darauf, dass die Unterlagen für die zuständigen Personen zugänglich und verständlich sind.

Wie sollten externe Dienstleister in die Planung eingebunden werden?

Klären Sie früh, welche Aufgaben ein Dienstleister übernimmt und wer auf Ihrer Seite die Ergebnisse abnimmt. Halten Sie Zuständigkeiten, notwendige Zugänge und Kommunikationswege fest. Bei sicherheits- oder vertragsbezogenen Fragen sollten die passenden internen Verantwortlichen einbezogen werden.