In
no way schon Innovation...
Millennium.
Das ist ein Übergang der nicht nur alle Hundert sondern nur alle Tausend
Jahre passiert.
Ein grosses Wort. Und ein sehr überbenutzes Schlagwort in diesen Jahren.
Wie so viele andere, Innovation mit gleich ganz oben in der Liste.
An dieser Stelle geht es mir persönlich gar nicht um detaillierte Analyse
eines spezifischen Software Programmes, grob in seiner neunten Variante.
Es mag Vieles gut und neu daran sein, es mag Einiges nicht so funktionieren
wie erhofft.
Das können andere viel akkurater entscheiden als ich.
Mein Problem ist einfach das einer größeren Enttäuschung und nicht
der kleinen Details.
Meine intensive Begegnung mit diesen Maschinen begann in den 1970ern,
klingt schon wie die Steinzeit inzwischen. Im ersten Computer Laden der
Welt in Santa Monica, L.A. sah man da die IMSAIs, ALTAIRs, PETs und Cromemco
Dazzlers vor sich hinbrummen.
Lichterchen flickerten und kleine Kippschalter luden ein, sich sein OS
erst einmal hineinzutogglen. Bill Gates & Paul Allen und Steve
Jobs & Woz haben diese Tage erlebt, standen mit ähnlicher Faszination
vor dem Tor und es war irgendwie allen klar :
Das ist DIE ZUKUNFT.
Nichts wird so werden wie es die Generation unserer Eltern sich vorgestellt
hatte.
Das
Potential vor uns war schier unermesslich.
Und da setzt nun mein Enttäuschen ein.
Meine Ungeduld.
Mein verzweifelter Blick auf des Kaiser´s Kleider vor mir:
Sieht
es denn niemand das das nicht wahr sein kann
wie wenig sich eigentlich in den 25 Jahren getan hat?
Um
es etwas zu quantifizieren: nehmen wir an, jemand schreibt ein Schach
Programm im Jahre 1977 das in 8K RAM läuft.
Auf einem Prozessor der mit 0.2 (!) Megahertz dahin wackelt.
Auf 8 Zoll Floppies kann er 160K (!) abspeichern.
Hard Disk? Ha!. Grafik auf meiner ersten Maschine war stolze 128x128 Punkte.
Das ist heute ein nettes Ikon!
Und nun das Gedankenexperiment: hätte man diesem Programmierer gesagt
er kriegt eine Maschine mit, oh sagen wir mal das drei tausendfache an
Geschwindigkeit, 600 MHz, und das 16.000fache an Speicher, 128M, und viele
Hunderttausendfaches in einer 20 Gig Festplatte und über eine Million
Pixel, in Farbe... ... ich glaube er wäre vor Glück geplatzt.
Einfach so.
Peng.
Tschüß.
Aber das passierte mir zum Glück nicht. Über 25 Jahre hinweg war der Schock
des Neuen schön gleichmässig und schonend verteilt.
Nach dem 8080 kam der 8085 und 8086 und 186 und 286 und 386 und 486 und
Pentium I und II und III, wie Gordon Moore´s Gesetz so schön sagt: alle
18 Monate verdoppelt sich die Power.
Aber und jetzt kommt das Aber
fast so gross wie das Wort Millennium: nicht in der Software!
Wer
hätte es ernsthaft geglaubt das wir zehn Jahre lang unter kryptischen
"8Punkt3" Dateinamen leiden würden.
Das es als erwähnenswert im Raume steht endlich irgendwelche Teile von
DOS hinter uns gelassen zu haben.
Wie gross, überladen, langsam und einfach voller Probleme nur allein ein
Textverarbeitungs Programm geworden ist.
"Jetzt! Noch einfacher!
Jetzt Neu, noch Mehr an Weniger
Sachen!
Jetzt, hier, toll, endlich weniger Kaputtheit und mehr Nichtabstürzen!
Kaufen sie sich den Upgrade und wenn es läuft dann läuft es sogar!
Es sei denn das es nicht läuft. Haben sie etwa (A.A. (Akutes Akronym)
hier einsetzen) nicht mit dem (anderes A.A. hier einsetzen) initialisiert?
Oder die Entinitialisierung finalisiert?
Sicherlich, auch ich werde mich den Schritten nach vorne herzlichst erfreuen.
Aber sie sind doch eben nur inkremental!
An wirklichen Durchbrüchen ist seit so langen Jahren so
wenig gekommen und fast nichts was man als ernsthaften Sprung bezeichnen
könnte.
Von "grünen Matrix Zeilen Buchstaben auf schwarzem Hintergrund" hin zu
"Pixel, Farbe, WYSIWYG" das war ein Quantensprung. Aber wo sind
sie, die echten Schritte nach weit vorne?
Warum kann eine Maschine 25 Jahre später nicht wenigstens einfach in einer
halben Sekunde AN sein und an bleiben? Punkt.
Warum kann man nicht erwarten das sie wie ein Fernseher einfach funktionieren:
was würden denn die Menschen sagen wenn man von der Tagesschau aufs Fussballspiel
umschaltet und ein Dialog etwas erzählt der passende Treiber sei nicht
installiert und nach dem ersten Tor wird ein Reboot erbeten?
Wie wäre denn eine Stereoanlage wenn man jede dritte CD wieder ausgespuckt
kriegt weil der 'Fehler 132' auftrat ("Name des Liedes nicht in
Autoexec.bat").
Iss Klar....
Gutgut "Config.sys" ist nun weg. Hurrah! Toll! Die Innovation ist los,
rette sich wer kann!
Was würde man von einem Mercedes halten, der auf der Autobahn einfach
bei Tempo 220 stehen bleibt weil jemand gleichzeitig den Aschenbecher
und das Radio angefasst hat oder der Name des Fahrers lag im falschen
Ordner???
Zoom Out: Konzepte wie "Ordner" überhaupt.
Klar war das eine tolle Sache bei Xerox Parc vor 30 Jahren.
Aber wer im Ernst würde im echten Leben seine wichtigen Dinge nehmen,
die in eine Kiste legen, die man in eine Kiste legt, die in einer Kiste
liegt, die man in einer Kiste von Kisten in Kisten ablegt.
Besser als in diesen russischen Puppen KANN man doch gar nicht seine Sachen
vor sich selbst verstecken.
Diese Konzepte als solche gehörten doch schon vor Jahren hinterfragt.
Wie kann es sein das ich in Google nach "Millennium" suchen kann und in
0.4 Sekunden sich Zehntausende an Geschichten finden, ich
aber von einem Quadrilliardstel an Information auf der lokalen Platte
dann 4 Sekunden brauche nur um alle Dateien mit "M" am Anfang zu
finden...
Das kann doch alles gar nicht sein will man da denken.
Aber ich muss es noch etwas krasser ausdrücken:
wir alle die hier oben auf dem Äther rumtoben, wir sind die early adopters.
Wir predigen hier dem Chor.
Wir haben uns über die Jahre einfach daran gewöhnt, einfach mit den Problemen
so lange gelebt, das auch die kleinsten Fortschritte uns erleichtern und
erfreuen. Die, die die kleinen Häppchen von "jetzt kann man endlich auch
da dran?" dankbar schluchzend hinnehmen.
Das ist die etwas dubiöse Freude in dem Spruch " es ist so schön
wenn der Schmerz nachlässt..!
Und nun dies. Es sieht aus wie 95-98-2000-NT, riecht so, heisst so, wiegt
so.
Wenn man einmal eine Dosis der wirklichen objektiven Ansprüche an einfach
zu bedienen aufnehmen will dann möge man einen brandneuen PC jeglicher
Art seinen Eltern schenken mit dem netten Gedanken, jetzt senden wir uns
mal die Babyfotos per e-mail. Dann erst kann man wirklich würdigen wie
unendlich lang die Liste der absurden Details ist, die Myriaden der Akronyme
die dieser Generation allen Spass verderben kann.
Hey Opa, PPP und TCP/IP, biste schon drin? Oder
machste PP?
Absichtlich darf man sich hier nicht des Gedankenganges bedienen kleine
Kinder als Kriterium des Einfachen zu nehmen. Diese sind mit
Maus in der Hand gross geworden, die haben keinerlei Hintergedanken, keine
Vorbelastungen, keine Berührungsängste.
Die machen uns alle noch nass. Und das erzähle ich schon seit einer Dekade:
die werden sich kringelig lachen, wenn sie sehen was wir hier so gerade
treiben:
´ne Maus mit Kabel.... guck mal.
Internet das man an und aus schaltet... hahaha. Wie
niedlich.
Sicherlich ist Windows ME ein Schritt nach vorn. Und OS/X
Sicher müssen kleine Schritte sein.
Aber ich bin nahe genug dran gewesen um zu sehen das es viele viele viele
andere Schritte geben könnte.
Und das quietschende Rad bekommt das Öl. Die Benutzer müssen auch
mal mitquietschen, sich auch einmal engagieren, ihren Gedanken
und Hoffnungen freien Lauf zu lassen.
Ideen sind letztendlich eine fast genetische Entwicklung,
wie DNA optimieren sich die Vorteile,
rottet man die Nachteile aus.
Ganz behutsam über die Zeit,
iterativ
Ich schreibe dies auf einem Sony Laptop mit Win98, sende es über einen
Mac G4 auf ein Linux Server Netz. Ich bin nicht einseitig vorbelastet
und diese Kommentare sind sozusagen OS neutral zu sehen. (Inzwischen
alles neue Maschinen mal wieder, aber ob's n Tit G4 Powerbook ist und
auf den Siemens Server spült, macht es irgendeinen Unterschied?)
Es ist ein Appell an alle, für alle, auf allen Maschinen.
Sicherlich sprechen in den Fachkreisen immer welche miteinander.
Aber sie reden mit sich selbst untereinander und verstecken sich hinter
den techischen Details wie die Mönche hinter dem Latein.
Die wirklichen Fortschritte können aber auch bei den sogenannten Laien,
die hier die sogenannten Leser sind, in ganz kleinen einfachen
Einsichten liegen.
Und die können nicht von Einem besessen werden
oder auch nicht von den Reichen gekauft
oder den Schnellsten reserviert werden.
Aber bevor irgendjemand irgendwo irgendetwas tun wird, ob bei Microsoft
oder Apple oder Linux oder Sun...muss als allererstes darüber gesprochen
werden.
Ideen auf den Tisch gelegt werden oder wenigstens ein Tisch verlangt
werden.
Man sollte sich wundern wie sehr einige laute Worte wirklich angebrachter
Kritik, oder aber auch leise Worte einer wirklich guten Idee ihren Weg
finden können,
auch tief in die innersten heiligen Hallen von Tausenden (!) an Programmierern
allein bei Microsoft.
Es war immer nur einer der dann so etwas wie eine Maus auf eine
Serviette malte, nur so als komische Idee....
haha ne MAUS...
Gesunder Menschenverstand ist gefragt hier. Auf allen Ebenen und in jedem
Detail. Und fast jeder Leser würde wohl von sich behaupten den zu besitzen.
Vielleicht fällt die nächste Maus ja jemand hier ein...? Na?
Wie wärs?
Oder haben alle nur noch die nächste Maus auf der nächsten Love Parade
oder After Work Party im Kopf? Auweia.
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Post Scriptum.
Ich fand es damals sehr traurig das dieses Ding um fast ein Drittel gekürzt
wurde....etwas editing ist eine gute Sache und selbst diese Fassung hier
behielt die Hälfte jener Edits, die die angebracht waren. Aber jedes extra
Wort, jedes scheinbar überflüssige Nebensätzchen abzusägen, alles immer
nur schnell auf den Punkt bringen müssen, bäng, bäng, bäng... es führt
zu einer ungesunden Homogenisierung. Für mich sind es genau diese kleinen
Details die echten Charakter da rein bringen, genau wie die kleinen Fältchen
im Gesicht. Ohne die kleinen Krater ist der Mond auch nur ein Billiardball
und würde weniger besingenswert, postuliere ich mal so.
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