2007

Da ist endlich mal wieder ein Jahr mit einer vernünftigen Quersumme für einen Triphilen...
Und es fing höchst interessant an! Manche Anfrage kam sofort zum iPhone, aber so ganz billig 'mal eben schnell' mach ich das ungern. Ich bin auch zu nah dran an den Themen um einfach nur so vor mich hinzubloggen. Und nein, ich hab es hier auch noch nicht stehen und kann weder kommentieren ob es UMTS haben wird, etc...
Die chinesischen Wasser-Batterien auf der CES sind auch einen Blick wert. Für beide Themen.
Oder die Seiten mit den Multitouch Vorläufern wie http://cs.nyu.edu/~jhan/ftirtouch/

Edge.org Die Frage des Jahres
Trotz meines mehr oder weniger intensiven Presseschweigens hier in Deutschland hab ich ab und zu einige kleine Ausnahmen gemacht in den letzten Jahren. In Norwegen war es ein paar mal die Innotown Konferenz, die mit viel Liebe wie eine frühe TED gebastelt wurde. Letztes Jahr hab ich mich kurz auf der DEMO in Arizona, oder war's New Mexico, blicken lassen. Beinahe wäre ich noch auf der dropping knowledge in Berlin aufgetreten, nachdem mich da Terry Gilliam unerwartet auf die Liste gesetzt hatte. Aber es gab einige Komplikationen mit der Planung, Opa mit über 90 in den letzten Zügen...auch jetzt zu Weihnachten ein struppiger Kalender.
Aber noch eine Ausnahme gab es: in New York hat der literarische Agent John Brockman eine Seite mit einer recht bunten Gruppe von Korrespondenten aufgebaut, dabei so mancher Forscher und 'Denker', auch noch aus der alten TED Ecke und diverse Nobel Physiker. Ich hab da immer wieder mal kleine Dinge geposted, wie zB. als Hubert Burda vor einigen Wochen einen interessanten Essay über 'die Selbstdarstellung über die Jahrhunderte' schrieb, von van Eyck bis YouTube. ( Schön dass er sich dafür die Zeit nahm...)

Einige mails ließen mir klar werden, dass viele Leute gar nicht so "drin" sind im Thema 'Suchen', selbst bei relativ einfach Aufgaben. "Ich hab das da nicht gefunden" tippten mir da gleich 3 in einer Woche. Natürlich kann es nicht soo schwer sein 'Kai Krause' bei Google einzutippen, aber die sinnlos lange Liste von Treffern und Müll ist schon abschreckend. Kleiner Trick der überraschend wohl doch nicht allgemein genutzt wird, aber in diesem Fall sehr typisch Wunder wirkt: die Suche auf die Edge Seite reduzieren: einfach 'site:edge.org' in Google anhängen, und die Treffer beschränken sich sehr sauber auf die www.edge.org domain. Also:
"Kai Krause site:edge.org"
Wär ein schönes Thema in sich, alle Kniffe des Suchens und Findens.

Was da gerade neu erschienen ist auf Edge, ist die "Frage des Jahres".
Letztes Jahr war es "Was ist ihre gefährliche Idee"
und davor "Woran glauben sie, ohne es beweisen zu können?"

Dieses Mal hatte Brockman einfach nur gefragt:
"Worüber sind sie optimistisch?"
und mehr als 160 Wissenschaftler und Autoren antworteten.

Die letzten paar Male hab ich einfach nur einen kleinen link abgelegt, aber ich musste auch realisieren, dass wesentlich weniger Leute als ich angenommen hatte wirklich auch so sattelfest im Englischen sind, die kleinen Schattierungen und Idiome, Wendungen, Insider-Scherzchen und Sprachspiele auch nachvollziehen zu können.
Das ist vollkommen verständlich, wenn ich nicht 25 Jahre da gelebt hätte, wäre es für mich wohl ähnlich, und mein Schulfranzösisch ( geschweige denn mein Latein) ist ebenso fragmentarisch.
Und als ich gleich in den ersten Tagen nachdem Edge herauskam eine Reihe von Mails bekam, auch von guten Freunden, dachte ich mir es sei doch den Aufwand wert - und auch eine interessante Aufgabe in sich - den englischen Text zu übersetzen.

Hier also mein Essay auf deutsch. Er ist sehr kurz für eine richtige Geschichte oder Novelle, relativ lang in dem Kontext der anderen Antworten. Aber er besteht auch aus drei Teilen die sich aus meiner Sicht nur schlecht kürzen ließen, und ich sehe auch keinen Anlass dazu, bloß um ein paar Buchstaben zu sparen. Es sind gerade auch zweimal die konsequenten Aufzählungen, um die es eben eigentlich geht.
Und wer nicht die Muße und Ausdauer hat 150 Zeilen zu lesen,
der ist eh nicht bis hierher gekommen ;)
Das regelt sich immer von allein.

Edge.org: "Worüber sind sie optimistisch?"
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Neo Contentism: eine Neue Zufriedenheit

Der Himmel ist türkis an diesem Nachmittag im Dezember, aus dem Fenster seh ich tief unter mir den Rhein im letzten Sonnenlicht schimmern. Ein Sturm zieht aus dem Westen in Richtung Köln. Wird uns der Regen erwischen? Ich drücke eine Taste, der Bildschirm füllt sich mit Dutzenden von kleinen Anzeigen und Fenstern: oben links sehe ich in wenigen Sekunden die letzten 6 Stunden der Echtzeit Wetterkarten Animation. Die Satellitenbilder zeigen den Trend: das Gröbste wird nördlich von uns vorbeiziehen. Gut zu wissen...

Ein kleiner Glockenklang, aha, da kommt eine SMS Nachricht...von meiner Tochter aus London: Ihr letzter Kuchen zum Abschluss hat geklappt! Ich schmunzle, sie muss sich jetzt gerade wunderbar fühlen, auf dem Weg zum Diplom in Patisserie in der 'Cordon Bleu' Kochschule, wie schon Audrey Hepburn in 'Sabrina'. Ich falte mein Handy auf in die volle Qwertz Tastatur und tippse mit beiden Daumen einen kleinen Smilie und eine Umarmung an sie...

Ein Fenster öffnet sich in der oberen Ecke, mein alter Kumpel Ben ist online, in Santa Barbara. 'Guck dir das mal an', tippt er, und ein Bild von NASA taucht auf: neue Anzeichen von flüssigem Wasser auf dem Mars! Was wie ein Wasserfall aussieht fließt einen Kraterrand herunter, daneben die gleiche Stelle in einem Foto von 1999. Er schickt dazu den Link auf die Original Dateien in Superhochauflösung. Ein paar Clicks und die Bilder kommen angeflogen, einige Hundert Megabyte.

Das ist ein Fall für 'die andere Maschine': ich ziehe die Fotos über das Netzwerk zum T221 Monitor,
9 Millionen Pixel bei 222 dpi, welch ein Wunder sie in dieser Schärfe zu sehen. Wasser auf dem Mars! Wir hatten gerade die HD Doku der BBC gesehen, in der die unglaubliche Fähigkeit der Natur gezeigt wurde, auch in den unwahrscheinlichsten Situationen noch Leben zu schaffen, im Mariani Graben 11.000m unter dem Wasserspiegel oder Methanogene der tiefsten Eiswüste der Antarktis.
Ich atme durch: vielleicht erlebe ich es noch, dass man Leben außerhalb der Erde findet!

Ben schlägt eine Partie GO vor, eigentlich eine schöne Idee. Selten genug, er ist einer der wenigen mit dem ich spielen kann, aber da sind auch Matt und Mike jetzt online. Wir arbeiten zusammen seit geraumer Zeit schon an neuen Software Projekten, allerdings in besonderer Manier: die Jungs leben in den Wäldern der nördlichen Neuseeland Inseln, bei Auckland, fast schon die Antipode für mich hier in der alten Burg. Aber es klappt eigentlich hervorragend: die neue Version ist gerade fertig, Matt schickt sie mir verschlüsselt, während wir zu dritt chatten und ich ihnen Bildschirm Schnappschüsse der letzten Bugs schicke. Wir könnten auch VoIP zusammen sprechen, oder sogar die Webcams anmachen für Video, aber tippend hat es jeder hinterher schriftlich, auch gut...

Die Maus in die untere linke Ecke gezogen, alle kleinen Widget Programme kommen wieder und die Weltzeit Uhren zeigen für Neuseeland 8 Uhr morgens an, wow, die sind ja früh dran. Ich schweife über die Nachrichten aus einem Dutzend verschiedener Quellen und Länder, zum Teil erst Minuten nach der Veröffentlichung. Ein kleines Widget ist nur für die Tate Gallery zuständig: sieh an, eine Ausstellung über Holbein, schön... hab ich nicht gerade noch was über den auf edge.org gelesen?? Wo ist eigentlich das Tate St.Ives? Ich wechsle zu GoogeEarth, fliege aus dem All auf England zu...

In die rechte untere Ecke: der Bildschirm füllt sich mit kleinen bunten Bildern, wohl an die 100: es sind alle Dateien die gerade offen sind, passend skaliert um alle gleichzeitig sichtbar zu sein. Da sehe ich die verschiedenen NASA Bilder, ziehe sie in die Rubrik "Science Kram". Eine wunderbare Sammlung hat sich angehäuft über die letzten Jahre hinweg. In der Maschine stecken für nur ein paar Hundert Euro ein ganzes Terabyte an interessanten Funden, wissenswerten Quellen, besonderen Dokumenten, Bilder, Essays, Bücher, wie die gesamte Enzyclopaedia Brittanica...

Wenn ich es mir recht überlege, sollte ich doch die NASA Sachen an meine anderen zwei Kinder schicken: die Jungs sind 15 und 11 jetzt, ein wissensdurstiges Alter. Ich klopfe online in California bei dem Jüngeren an, frage ob er gerade Zeit für 'Daaaad' hat. Hat er ;) Ich schicke ihm eine niedliche Physik Simulation LineRider und das wunderbare SandGame Partikel System, das wird ihm viel Spaß machen! Noch eben eine kurze Suche: NewScientist hat eine gute Beschreibung der Mars Sache, Wired eine Story mit vergleichenden Bildern. Ich drucke die beiden Artikel in eine pdf Datei, ziehe sie zu ihm hinüber. Der Ältere kommt jetzt auch hoch, hat ein paar neue Witze für mich. Er liebt es sie zu lesen aber auch seine eigenen zu machen. Ich sag ihm er soll mal bei Google "2.3 trillion missing" eingeben und das YouTubeVideo suchen. Mal was Nachdenkliches...

Bald werden sie hierher kommen, schön, dann können wir auf den mittelalterlichen Weihnachts-markt in Siegburg, oder richtigen Schnee stöbern in Innsbruck. Ich sollte ein paar Filme für uns suchen, ob sie wohl schon für "Aguirre" reif sind? Oder vielleicht "2001"? Christopher hat schon "5th Element" auf BluRay geschickt. Vielleicht auch "Amelie", nächstes Jahr gehts nach Paris. Jetzt hab ich einen Ohrwurm... dieses Klavier. Ich wechsle schnell in den iTunes Store, gebe Yann Tiersen ein: da ist fast alles was er je gemacht hat! Ein paar Clicks, ein paar Euro und der Soundtrack ist hier. Ich brenne noch eine CD für die Fahrt. Mal eben in Wikipedia gucken was er so gemacht hat... ein Duett mit Jane Birkin und den Cocteau Twins, toll, hab ich ganz verpasst....

Meine Liebste kommt hereingeflattert, höchste Zeit für uns, noch viel zu tun vor den Feiertagen! Sie fliegt über die Autobahn mit 220, mit einem Grinsen, der Navi warnt uns vor einem Stau auf der 61, macht eine neue Route über den Rhein. Ankunft schätzt er auf nur 10 Minuten länger, das ist ja noch annehmlich. Wir sollten aber mal tanken. Ein paar Clicks und alle Tankstellen in der Umgebung sind auf der Landkarte eingezeichnet, etwas die Strecke entlang scrollen, die da, click und er leitet uns dorthin. Das Lieblingslied eben pausieren, ich renn rein zum Zahlen, noch Die Zeit und ne Geo und PM und ein paar Gummibärchen... oops, kein cash. Ich zieh das Plastik durch den Schlitz. Sie hat schon die genaue Addresse eingegeben, schwierige Einbahnstraßen in der Altstadt. Minus 3 da draußen, wir räkeln uns im geheizten Sitz, der Navi listet alle Thai Restaurants...

 

Man könnte sicherlich noch ziemlich lange so weiter erzählen, aber um es einmal klar zu machen: Hier ging es überhaupt nicht um eine Beschreibung von Technologie als solcher. Stattdessen lag die gesamte Betonung auf der einfachen Lebensqualität, dem rein menschlichen Nutzen all dieser neuen Werkzeuge und die Freiheit der Möglichkeiten die sie uns geschenkt haben.
Die traurige Wahrheit dabei: Menschen sind all diesen Wundern gegenüber einfach abgestumpft.

 

Das Wetter in Bildern zu sehen, animiert, aus dem Weltraum...was für ein Wunder wäre das für die Gebrüder Wright gewesen...oder James Cook, Vasco da Gama, Marco Polo...?
Mit seiner Familie immer in Kontakt sein zu können, in Echtzeit, welch ein Wunder wäre das für J.S. Bach gewesen, der 20 Kinder bekam (die Hälfte davon starben noch als Säuglinge. Ich habe hier die Fortschritte in Gesundheit und Medizin natürlich -wie so vieles andere- gar nicht erwähnt!)
Mobile Telefone, geschweige denn Milliarden SMS, wie unendlich faszinierend wäre das für einen Tesla, Edison, Bell, Reis, Meucci gewesen... Sonden mit Messinstrumenten in das All zu senden, und die gesendeten Bilder und Daten in unglaublicher Qualität zu empfangen, und sie auch noch persönlich besitzen zu können, welch ein Traum für einen Huygens, Mercator, Kepler, Galileo...

Die Zusammenarbeit mit Kollegen auf der anderen Seite der Erde, als seien sie im gleichen Raum, wie befreiend sind diese Möglichkeiten! Reisen zu können, sicher, schnell, sogar fast mühelos, mit einem all-wissenden Freund als Lotse, was hätten sie alle dazu wohl gesagt? Goethe-Forscher haben einmal zusammengerechnet, dass er in seinem Leben wohl rund 37.000 km hinter sich gebracht hat, in über 180 Reisen, aber zu Fuß, mit Pferd oder Kutsche! Und für jemand wie Humboldt darf man da getrost noch eine Null dranhängen. Sie würden es fraglos sehr bewundern, oder gleich in Tränen ausbrechen, angesichts unserer Möglichkeiten: einfach überall hingehen zu können, alles mit eigenen Augen zu sehen, jeden zu treffen, egal wann und wo auf der Erde...

Alle Werke aller Künstler jederzeit betrachten zu können, Kopien davon sogar selbst zu besitzen, sie zuhause, in aller Ruhe und im kleinsten Detail, analysieren zu dürfen... Jegliche Musik aller Welt und aller Zeiten hören zu können...was für ein absoluter Traum das allein schon für sie alle gewesen wäre. Man mag sich nur einmal zurückversetzen: da sagt einer, es gäbe eine neue Symphonie von Beethoven (geschweige denn noch viel früher). Man musste sich dann physisch zu einer Aufführung irgendwo hinbegeben um sie hören zu können, dann auch nur ein einziges Mal, und keines der anderen Stücke, die man vielleicht lieben würde, wenn sie je mal gespielt würden. Und: selbst die wenigen, die man dann gehört hat, würde man wahrscheinlich gleich sehr schnell wieder vergessen, da man kaum eine Chance bekommt, sie sich im Langzeitgedächtnis einzuprägen. Jeder weiß, dass man vieles einige Male erst hören oder sehen muss, um es wirklich zu begreifen. Und dabei erwähne ich noch nicht einmal die unendlichen Wunderwelt Dimensionen von Film, Radio, Fernsehen, geschweige denn das Web...für einen Mozart oder Leonardo...

Allein den Zugang zu Forschung und Wissenschaft, auf allen Gebieten, weltweit, zu haben, die Resultate und Notizen in Wort, Bild und Ton austauschen zu können, allein schon nur sie unmittelbar kopieren zu können, sie dann speichern zu können, zu katalogisieren mit Schlagwort und Index, den man dann auch noch in Milliarden Einträgen in Sekunden zu durchsuchen vermag....wie überglücklich so etwas jemand wie Jules Verne gemacht hätte, mit seinen über 20.000 Indexkarten und Schnipseln in kleinen Holzkästchen, oder jeden anderen universell interessierten Wissenschaftler, Schriftsteller, Philosoph oder Künstler, Renaissance Men wie Athanasius Kircher, Linné, Franklin, Newton oder Leibniz, TH Huxley, HG Wells oder Asimov...

Und dann noch darüber hinaus nur schon das Konzept: seine eigene Sphynx zu besitzen, die fast jegliche Frage zu beliebigen Fakten beantworten kann, in Minuten wenn nicht gar Sekunden, ein Ratgeber wie ihn kein Sonnenkönig oder Kaiser oder Pharao sich je hätte kaufen können, auch nicht mit allem Gold ihrer Reiche... das ist jetzt Google... in den Handys...von Teenagern...

Sicher, die Köpfe der alten Griechen würden wahrscheinlich ganz einfach 'explodieren' beim Anblick schon einfachster Haushaltsgegenstände im nächsten Kaufhaus... und ja, ich weiß auch sehr gut, dass auch diese Beobachtung uns hier und heute nicht einfach automatisch und ewiglich glücklich sein lässt.
Und gibt es eine lange Liste von Übeln und Nachteilen, die mit all diesen Fortschritten kamen?
Aber sicher.
Ich könnte genauso gut andersherum anfangen endlos zu Jaulen und zu Zetern...

Aber die Frage bleibt: worüber bin ich optimistisch?
Und da glaube ich ist es sehr angebracht, es noch einmal zu wiederholen:

Zahllose Wissenschaftler über die Jahrhunderte hinweg haben ihr Leben der Suche gewidmet, nach Entdeckungen, Lösungen, Erfindungen und Erklärungen. Sie hatten dabei jeder die Vision das Schicksal der Menschheit zu verbessern, die Wahrheit aufzuspüren, Antworten zu finden, und viele von ihnen haben es mit unglaublichen Anstrengungen unternommen und manch einer auch mit seinem Leben bezahlt.

Die gesammelte Menge all dieser Menschen steht vor uns, in Bewunderung.... und... in Tränen.

Wir haben fast alle ihre Ziele erreicht, all ihre Träume verwirklicht, wir haben die Erkenntnisse, denen sie so nacheiferten, das Wissen dass sie so ersehnten, die Werkzeuge die sie zu erschaffen suchten, und wir haben Freiheit in jeglichem Sinne wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit
und gemessen an ihnen........sind wir undankbare, nörgelige, engstirnige Kleingeister !

Aus dieser Perspektive, wenn man all unsere Möglichkeiten einmal wirklich bedenkt,
gibt es dann Grund auch optimistisch zu sein, dass wir sie sinnvoll anwenden können?

Aber sicher.

Kai Krause Dec 2006
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Das ganze war wie gesagt auf Englisch geschrieben und hat da noch irgendwie einen anderen Rhythmus und Effekt. Es nur zu übersetzen kann da der Sache nie ganz gerecht werden, wie ich auch deutsch geschriebene Texte nie adäquat auf Englisch wiedergeben kann. Ich hab auch einige Kleinigkeiten geändert hier, das ist der Unterschied von "translate" zu "transliterate", es nämlich nicht einfach nur zu wortwörtlich wiedergeben zu wollen.

Eigentlich finde ich das Deutsche sogar viel reicher an Schattierungen und Tiefe (man nehme allein schonmal so einen Begriff wie "wortwörtlich" ;) oder eigenartig oder gedankenverloren, oder merkwürdig...auch entgegen Mark Twain's wunderbarem Essay über die deutsche Sprache.

Was ich jetzt schon wieder sehen kann sind so unendlich kleinkarierte Briefe die dann kommen, und nur hier in diesem Lande kommen können, nämlich ob ich in der Aufzählung von Newton oder Leibniz noch diesen oder jenen vergessen hätte oder ganz besonders der Ansatz, dass all diese Errungenschaften aber sooo teuer seien. Im Sinne von "sie mögen sich das leisten können Herr Krause aber so ein Hartz IV Empfänger wäre da nicht so enthusiastisch" (wörtlich aus einer der ersten deutschen Mails danach).

Mein Gott! Wir leben in einem Lande in dem jedes Taxi ein Mercedes ist. Fast jeder Schüler hat einen Fernseher, ein Handy, einen PC, viele der erwähnten Dinge sind nicht teuer, selbst ein Navigator ist inzwischen kaum mehr 2% Aufpreis, und manche wie Google sind gänzlich umsonst. Der T221 der da erwähnt wurde, war einmal ein ultra rares Forschungsgerät bei IBM, kostete gut 55.000 DM, ich hab meinen dann vor ein paar Jahren bei Tiger Direct für $3000 gekriegt ;) Was heute in jedem Medienmarkt 'saumäßig' herumsteht brauch ich doch wohl keinem zu erklären, oder? Was man für eine Maschine vor 5 oder 10 oder 20 Jahren hätte zahlen müssen? Ein Terabyte für €600 wo ich für 5 Megabyte 1983 noch $5000 hätte zahlen müssen.
Der Punkt war ja auch in keiner Weise der Luxus als solcher (ich hab absichtlich noch nicht mal so etwas wie FullHD Schirme erwähnt), es ging um Werkzeuge und Möglichkeiten die all diesen Wissenschaftlern eben ganz einfach nicht für alles Geld dieser Erde zugängig gewesen wären.

Man darf dabei auch einfach nicht vergessen, dass die Frage "Worüber sind sie optimistisch?" in diesem Forum großteils an Wissenschaftler gestellt wurde. Viele der Antworten drehen sich um das nächste Forschungsergebnis, die nächste Antwort, eben einen Tick weiter als wir letztes Jahr waren, in ihrer Suche nach schwarzen Löchern, Poincaré Postulaten, Energiequellen oder Gensequenzen. Und irgendwie wollte ich da einfach aus der Reihe springen und sie auch etwas anstacheln, ganz einfach nur inne zu halten, die Blume am Strassenrand zu sehen, zu realisieren dass aus jeglicher Sicht der Vergangenheit, und aus der Sicht all ihrer Kollegen vor ihnen, sie alle jeglichen Grund hätten, sich sehr glücklich zu schätzen und eben einfach neu zufrieden zu sein.

Daher auch der Titel, Neo Content-ism : to be simply content, in a new light.
Eine neue Zufriedenheit.

Passend zu diesen Überzeugungen kann man das natürlich auch anders ausdrücken.
Wenn die Frage nicht nach Optimismus sondern Realismus gewesen wäre,
(und auch um zu zeigen, dass Deutsch eine wunderbare Sprache ist)
kann man das zB auch so beschreiben:

Oh Herr
von Hagen Rether (ein fellow Essener auch, Hutlüpfgeste.....) (danke Christian!)

Mit zwölf Jahren ist man in Asien zu alt zum Teppichknüpfen,
weil die Finger zu groß werden.
Du darfst aber erst mit 14 bei Nike anfangen Turnschuhe zu kleben.
Da entsteht eine Versorgungslücke von zwei Jahren,
die meistens durch Prostitution geschlossen wird...

Oh Herr, wir haben keine Ahnung von Sklavenhandel mit Kindern,
Zerstörung ganzer Volkswirtschaften durch Börsenspekulationen,
und Umweltkatastrophen durch Ressourcenausbeutung.

Herr, wir wissen nichts von Hermes- Bürgschaften für Staudämme
und Turnschuh Produktionen in Süd-Ost-Asien.
Herr, die meisten von uns sind froh, wenn sie sich ihr Autokennzeichen merken können.
Kein Schwanz kennt aus dem Stegreif
den Zusammenhang zwischen Aktienkursen und Leitzinsen,
wir kennen ja noch nichtmal unsere Blutgruppe.

Herr, wir sind so degeneriert, dass wir nicht bezahlen können,
weil wir uns die vierstellige EC- Kartennummer nicht merken konnten,

Herr.

Herr, wir sind so hohl- wie wir voll sind.

Die anderen hoffen auf Frieden-
und wir hoffen, dass man uns im Urlaub nicht entführt.

Die haben Angst, dass ihre Kinder verhungern
und wir haben Angst, dass unser Deo versagt
und dass man uns beim Telefonieren im Auto erwischt.

Oh Herr, wir kaufen ihre Frauen und behaupten, sie würden uns unsere Arbeitsplätze wegnehmen.

Unsere Beichtväter sind die Steuerberater,
und Unicef ist unser Ablass.

Oh Herr, mach hoch die Tür, die Tor mach dick- und die Mauern zu.
Denn es kommt ein Heer von wütenden kleinwüchsigen Analphabeten und Hungerleidern über uns.

Die Tutsi und Hutu werden sich gemeinsam gegen uns verschwör'n,
und die nicaraguanischen Kaffeebauern
und die Schafhirten aus Kaschmir
und die kampferprobten Kindersoldaten aus Sierra Leone...

Sie alle werden kommen,
über die NATO-Zäune krabbeln
und uns hinwegfegen wie El Nino.

Sie werden uns mit Basmati Reis bewerfen, und mit Naturreis und mit Parfum-Reis,
mit Wildreis und mit Langkornreis und mit Milchreis und mit Uncle Bens Beutelreis und mit Puffreis.

Sie werden in unseren Hobbykellern Darts spielen
und in unseren Swingerclubs swingen,
sie werden von unseren Tellerchen essen
und mit unseren blonden Töchtern in unseren Ikea- Bettchen schlafen,
sie werden auf unseren Teakholz-Möbeln gammeln,
Cohibas rauchen, Darjeeling schlürfen und "Wer wird Millionär" gucken.

Oh Herr, sie werden mit unseren Geländewagen im Stau stehen
und über die Öko Steuer fluchen.

Herr.
Wie kriegen wir in ihren Drittweltschädel rein,
dass du ein Aufsichtsratsvorsitzender bist?

Machen wir es uns gemütlich vor dem Herrn, lasset uns beten.

Vater unser, der Du bist im Himmel.
Gereinigt werde Dein Name.
Wir sind steinreich.

Unser Wille geschehe, wie in Chile, so auch in Schweden.
Deren täglich Brot gib uns heute.
Und vergib Du ihnen doch ihre Schulden,
wie auch wir vergeben unsere Kredite.

Und führe keine Untersuchung,
sondern gib die Erlöse uns von den Börsen.

Denn wir sind reich, haben die Kraft und die Herrlichkeit.
Und die bleiben immer die in Ewigkeit Armen."

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Hagen Rether, 2006

Der kanns, der Hagen.
Ich glaub wir müssen den mal einladen und uns über Essen als Kulturhauptstadt unterhalten ;)

Zooming In

'oh-li shi'it
Da stand ich auf der Bühne in Paris und zeigte ein bisschen "Zooming". Das Demo war eine unverhältnismäßig gigantische Datei eines Schädels.
Zuerst sah man den ganzen Kopf (im Auditorium schön auf viele Meter projeziert, ich glaub es war eine Keynote der MacExpo mit John Sculley oder so), dann zog ich ein Rechteck um den Kiefer und das neue Bild kam, in weniger als einer Sekunde, füllend auf den Schirm. Einen Ausschnitt auf die Zähne... 1 Sekunde... da.
Soweit so gut, nichts wirklich soo neues daran, dachte sich auch das Publikum.
Aber dann ging es einfach weiter: auf die vorderen Schneidezähne, auf 4 Zähne, auf 2, auf 1 und dann auf den Spalt zwischen den Zähnen, weiter hinein, bis auf allerkleinste Karies Fleckchen, mit konstanter Geschwindigkeit!

Aber der Clou kam ja noch... ;) denn am Rande des kleinen Fleckchens, da konnte man schon die rechteckigen "Ur-Pixel" des Scans selbst sehen, also das Raster des Bildes wie es kreiert worden war, wohl mit einem sehr teuren DrumScanner. Da noch einmal reingezoomed sah man nun nur noch ein Dutzend der einfarbigen Rechtecke aus denen sich das Gesamtbild zusammensetzt. Es war schon ziemlich beeindruckend, sich vom Großen bis ins Allerkleinste so kontinuierlich zu nähern, in immer gleichen Schritten und immer gleich schnell... aber dann, was war denn das... ? Da war noch so ein kleines dunkles Fleckchen innerhalb des einen Pixels... ? Kann ja eigentlich gar nicht sein, erklärte ich auch ungläubig stirnrunzelnd mit einigen französichen Augengrimassen reingestreut...
Noch ein Zoom und noch einer und noch einer, und da entpuppt sich das kleine Fleckchen als durchaus erkennbar : da stand vollkommen leserlich in Handschrift... "Kai was here...." !
Von dort schnell mit größeren Schritten in ca 3 Sekunden wieder zurück zum großen Schädel... und ich drehte mich etwas hämisch grinsend in Zeitlupe um...
Das Publikum war absolut baff. Tosendes Gemurmel. Verständnislose Sprachfetzen. Und das noch bei der wunderbar ausdrucksstarken Pariser Geek Versammlung...!
Ein monumentales "Hääähhh??" "Merde!" "'oh-liii shhiit" ging dann in einen rauschenden Applaus über.
Das war vor so ungefähr vor zehn Jahren.
Man kann sich leicht ausrechnen was das noch für Hardware gewesen sein muss, recht bescheiden damals, so ca. 0.09 Ghz CPU etc etc ; )
Schön Erinnerungsfetzen.

Hüstel
Das ganze war auch von einem französichen Programmierer geschrieben worden, Bruno Delean. Es wurde mir schon 1993 noch in Alpha von einem sehr guten Journalisten, Andreas Pfeiffer, gezeigt und zwar quasi am gleichen Tag mit Eric Wenger's "D3" Programm. Noch als klitzekleine Firma "HSC" in L.A. haben wir uns den beiden noch rohen Diamanten gewidmet und sie später als LivePicture und Bryce in die Welt gebracht.
Viel Schweiß, ein Jahr Arbeit, ein ganzer Batzen Geld und unendlich viel Nerven hats gekostet damals. Und ganz unterschiedliche Ansätze: LivePicture kam für $2.500 heraus, Bryce für $99...
Für die beiden hat sichs jeweils auch ganz schön gelohnt... und John Sculley kaufte mir LivePicture ab bevor wir noch MetaTools wurden.
Mein Interface Design dafür war übrigens ultra-schlicht, monochrom, ein ganz dünner Rahmen um das Bild, gar nicht unähnlich wie manch andere viele Jahre später, hüstel...
Da gab es zB auch eine "History" Palette mit chronologischem Ablauf aller Arbeitsschritte, die man nonlinear auch wieder zurücknehmen konnte. Ein damals präzedenzloser Ansatz.
Noch immer lese ich oft kleine Kommentare über "Kai Interfaces", die sich immer wieder in "lustige bunte Knöpfe" festbeißen. Schade daß so viele der ernsten Arbeit dahinter und darunter gar nicht begriffen haben, besonders in Deutschland natürlich. Vieles habe ich auch mit voller Absicht spielerisch gestaltet, oder gar "spezifisch für Kinder". Es sollte einfach nur unerwartet, neu, anders und immer wieder "wundervoll" sein. Den User selbst überraschen, Ergebnisse die vollkommen unerwartet und nie zuvor gesehen wurden.
Das da die "Profis" sich über "fehlende Wiederholbarkeit, Genauigkeit und Kompatibilität" ausgelassen haben, hätte mir zumindest hier wohl klar sein können... Recht hatten sie natürlich, aber wir wollten ja auch nicht Recht sondern Spaß und Erfolg haben, als klitzekleine Firma ein bisschen Rabatz machen, überhaupt sichtbar werden, auf dem Radarschirm überhaupt auftauchen erstmal. Aber nochmal zurück zu dem Zoom Demo.

Fast Forward
Es war nur eines von sehr sehr vielen Beispielen, wie grundsätzliche Probleme neu durchdacht werden müssen und mit anderen Ansätzen die vermeintlichen Hindernisse umgangen werden können.
In diesem Fall: eine Datei von 20, 50 (oder gar 200 oder 500) Megabyte auch nur aufzumachen war schon eine Angelegenheit von 10 Minuten oder gar einiges mehr. In Zeiten von "640K RAM ist genug für jedermann" war es ebenso unmöglich alles in memory zu behalten. Das heißt, der Zoom auf 200% wäre genauso wieder minutenlang.
Aber offensichtlich ging es auch anders ;)
Im Nachhinein ist es gar nicht schwer, die Grundprinzipien nachzuvollziehen: "es passen nie mehr als X Pixels auf den Bildschirm, mehr kann ich eh nicht zeigen" und dann das Bild in einem neuen Format gleich vorgefertigt in verschiedenen Auflösungen zu behalten. Als "Image Pyramid", Subsampling, MipMapping und all die schönen Buzzwords drumrum, war das natürlich auch alles nicht "neu": schon 10 Jahre vorher gab es Siggraph Papers über diese Dinge...

Aber wie so oft ist es das iterative Element, wenn jemand mit neuen Einsichten con-genial etwas anders anwendet, umwandelt, weiterentwickelt... In einen einzigen Pixel dann "Kai was hier" mit einem Airbrush zu schreiben war so noch nicht gemacht worden, eine separate Ebene die mit vielen anderen auflösungsunabhängig berechnet wird. Da könnte man noch sehr viel mit machen.
Haben wir auch.... aber....

Viele meiner für mich wichtigsten Arbeiten sind nie in der breiten Masse bekannt geworden, manche nie öffentlich herausgekommen, aber auch wenn ich sie nur sehr wenigen Menschen gezeigt habe, waren diese doch meist besondere Multiplikatoren ihrerseits. Ich brauche da keine Namen nennen; die, die der Sache nahe genug standen wissen schon gut, wo diese Denkanstöße dann gelandet sind und wo man sie heute alle finden kann.

Oft bekomme ich Mails von Leuten die mich anschieben wollen, alle alten Skizzenbücher und Prototypen und Alpha Versionen zu veröffentlichen. Hunderte Bilder gäbs da, klar. Und viele viele konkrete Einzel-Ideen lagen immer wieder auf dem Tisch. Stimmt auch, das hätte was...
Wer mal eine echte Demo von "Amazon" gesehen hat ( nee, das war ein Jahr oder mehr vor dem Buchladen ;) oder auch später den IdeaProcessor oder die ganzen PG Musik Module, oder die Magrathea Skizzen für ein kollaboratives SuperBryce, der weiß, dass das sich schon recht gut auf YouTube breitmachen könnte ;)

Meine Gründe das nicht zu tun, haben auch nichts mit den Inhalten zu tun, es ist sogar eher schade, sie nicht einfach da draußen zu sehen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte man den gesamten SourceCode für alles einfach in die public domain geben sollen, OpenSource, Copyleft, bittesehr...

Es war damals sehr einfach: ich wollte es nicht unter falschen Voraussetzungen, zur falschen Zeit mit den falschen Leuten kompromittiert sehen. Entweder ganz oder gar nicht, entweder kompromißlos richtig oder gar nicht, aber nicht halbherzig, lieblos dahingefleddert wie die ganzen Sequel Produkte. Aber noch einmal zurück zum Zoom wieder.

Codex und Dragon
Im echten Leben dadraußen, wenn man "real life" rl mal so nennen darf, ist es oft sehr nützlich, tiefer in Details sehen zu können. Ich meine da weniger so etwas wie einen legalen Vertrag, in dem gewiefte Rechtsanwälte ihre Klauseln in fliegendreckkleinen Punkten in den Fußnoten verbergen, sondern eher die Frage: wenn meine 8.4 MPix Kamera einen 2Gig Speicherchip drin hat und ich 500 Raw Bilder von jeder Urlaubsfahrt mitbringe, wie kann ich die sinnvoll durchgucken oder gar sortieren?
Oder noch simpler: das Web ist voll von ZIG Inhalten aller Art, wie kann ich die sehen ?
Jedenfalls nicht so wie das bisher verlief, dieses Click and Wait... neu verbinden, neu laden, gähn...
Da müssen einfach frische Ansätze her.

Aber es gab und gibt viele andere solche "sollte man doch eigentlich aaaaaalllen erzählen und zeigen" Projekte. Manche darf man unter NDA vertraulichkeitsvereinbarungstechnisch einfach nicht öffentlich beschreiben.

Was etwas schade ist, wenn man dann nicht von einigen Sachen berichten kann, obwohl es einem auf der Zunge liegt, unter den Nägeln brennt. Vor Jahren schon hab ich hier Leuten die Keyhole Pro Software gezeigt, handgetragen aus deren Büro in Palo Alto. Und mit wilden Armen hab ich gewedelt um es einem Clement oder Prof. Thoma oder TCom Chefs zu erklären, was alles mit so etwas machbar wäre. Exklusiv hätten sie es haben können, es gab sogar ein wunderbares Projekt, 1000 Kopien umsonst mit Hardware an interessierte Lehrer hier zu verschenken. Natürlich jetzt, wo das Ding GoogleEarth heißt, ists "plötzlich" allen sooo klar.
Ich hätte es im Alleingang solo machen sollen, wie immer meinem Bauchgefühl trauen.

Und eins davon war so, ist aber nicht mehr, und passt nahtlos an den Beginn dieser Spalte: Zooming einmal ganz anders und neu.

In den letzten Salons hab ich es hier und da nochmal unter der Hand beschrieben, es gab auch eine Webseite die allerdings nicht viel sagte: Sand Codex nannte sich das.

Und ein paar meiner alten Jungs waren da zugange, unter anderem Ben, wohl einer der begabtesten von allen, mit dem ich sehr viel gemacht hab, Ian Gilman, der hier auf der Burg mit gewohnt hat, dann heiratete und nun mit Kind und Kegel in Seattle sitzt und vor allem Blaise, der in der Firma RTG in Princeton, die wir ca. 1996 in MetaTools integrierten, eine zentrale Rolle in den mathematischen Algorithmen spielte.

Sie alle und noch ein Dutzend mehr arbeiteten an einem neuen Ansatz des ZOOM, in Daten quasi "hineinfliegen".
Noch letztes Jahr im Sommer besuchten wir sie in Seattle, eine schöne Fahrt von dort die gesamte Westküste hinunter durch die Riesen Redwood Wälder in Washington, Oregon und California, die Christopher Franke noch mit ner Sony HDTV Camera mitschnitt. 2000 Meilen haben wir da insgesamt abgeklappert, 3 iPods voll als Soundtrack dazu. Am Anfang ein Besuch bei Charles Simonyi um Intentional Programming zu sehen und dann ein ganzer Tag bei Google, auch, aber das ist, wie Erich Kästner sagen würde, alles wieder eine ganz andere Geschichte.... ;)

Jedenfalls war Sand Codex ein interessanter Besuch gleich am Anfang, noch sehr klein, Demo per Laptop, aber ganz klar : "das hat was!". Ich durfte nur nicht drüber reden und habe ich auch dran gehalten, Ehrensache...
Das Demo: ca 100 Landkarten, ein ganzer Bildschirm voll von kleinen briefmarkengroßen Icons eigentlich, da für jedes nur wenige Zentimeter Platz blieben. Man geht also mit der Maus in die Nähe und ein Click : zooom!
Ein Flug bis ins allerkleinste Detail einer der Karten, bildschirmfüllend, jede davon mit Auflösung von 4000 lines und mehr! Potentielle Hunderte von Gigabytes an Daten, sagten sie.
Ein anderes Beispiel waren die gesamten Seiten eines Buches, ich glaub es war James Joyce Ulysses aber egal..
Zunächst sieht man den Überblick aller Seiten und dann, nach Mausbewegung einen Zoom bis in die Details eines einzigen Buchstabens in einem Paragraph auf einer Seite, in wohl weniger als einer Sekunde. Und wieder raus zum Überblick...

Schmunzelnderweise kommt einem das bekannt vor :) Aber: sauber gemacht, mit OpenGL in hardware vernünftig unterstützt, sehr gut implementiert. Und doch auch um einiges anders als nur MIP, hier gibts extreme Wavelet Compression dazu. ( alles einfach zu googeln, issklaa). Da drehen sich die Rädchen im Kopf... was man bloß alles machen könnte... seufz.

Dann das Ganze mit einer kombinierten Landkarte und Vektor Straßen und Labels darüber, vollkommen smooth und sauber beweglich weich, jeweils Detail weglassend und wiederkehrend, ohne jeglichen diskreten Schritte dazwischen. Das eben im großen Unterschied zu dem schon sehr sehr guten Ajax client Push Ansatz von Google Maps, bei dem "Tiles" also Bild Kacheln schnell und effektiv geladen werden, aber eben nur in X quantisierten Schrittstufen... Es lief bereits auf einem Samsung Handy, kein Wunder dass die Koreaner gerade Blaise zu sich bestellt hatten und wir ihn so leider verpassten.

Kurz darauf wollte ich ihnen die neuesten Scanning Electron Microscope Aufnahmen für solche Zooms geben, die bald mit 16.000 x 16.000 Auflösung kommen sollen (!).

Aber gerade als ich eine Verbindung zu Google aufbauen wollte, wo mir das als eminent sinnvoll plaziert vorkam, wurde klar dass Sand Codex bereits schon quasi vergeben war und es war unschwer zu erraten wie und wo.

Seit einigen Tagen nun ist die Katze aus dem Sack und ich darf hier das Obige so erzählen, sonst wärs eben wie so manches andere auch weiter noch unter "pshshsh" sortiert.

Die Firma hat sich in den Namen der Technologie umbenannt, "Sea Dragon" und statt diese dann nur an den großen Nachbarn in Seattle, Microsoft, zu lizensieren, hat dieser dann umgehend das gesamte Ding aufgekauft. Punkt aus. Schluss. Das ist schon ein paar Monate her, aber die ersten Resultate wurden jetzt gerade online zugängig gemacht, nachdem alle alten Demos der Sand Codex Zeit abrupt verschwunden waren.

Es ist im Moment in den LiveLabs zuhause, und auf jeden Fall einen Blick wert. Was genau daraus werden wird, wie man es nutzen kann, und wann, wer weiß. Das sind viele W's. Auweh.

Inzwischen ist es als Zooming App noch nicht sichtbar, aber in der neuen MS SeaDragon Variante haben sie sich in eine andere Anwendung und Richtung bewegt: Bilder in 3D Raum.

Ich persönlich hätte das reine pure Zooming als nützlich genug empfunden um es schon fast so wie es war einfach in die Welt geschubst zu sehen. Und hätte es dafür natürlich auch selbst gerne lizensiert.

Aber sie haben wahrscheinlich so lange mit dem Zoom verbracht, dass ihnen das schon sooo normal vorkam und sie weitere Ziele erreichen wollten. Und es ist durchaus einen näheren Blick wert und ein paar Gedanken...
Hier also das nächste Konzept:

Projezierlich
Man stelle sich vor man macht ein Bild vom Kölner Dom. Und noch eins und noch eins und noch eins. Und 100 andere Leute machen auch Bilder, zu jeder Tageszeit und jeder Jahreszeit... und aus allen möglichen Winkeln.
Jetzt könnte man versuchen aus jedem Bild die Geometrie des Objektes zu errechnen, die Fluchtpunkte und Horizonte, perspektivische Linien.... und daraus ein 3D Gittermodell erstellen...

Für die, die sich ziemlich näher mit Meta damals befasst haben oder selbst viel mit Graphics machen, denen kommt das recht bekannt vor. Canoma hieß das Ding, mit dem man relativ schnell und einfach aus mehreren 2D Photos sich ein 3D Object basteln konnte. Hatte auch was.

Nochmal für Laien und solche die es noch werden wollen: Man bastelt sich ein Pappmachee Modell vom Dom. Dann nimmt man ein paar Hundert Fotos und vergrößert und verkleinert die genau so, dass sie perfekt auf das Modell geklebt werden können, alle fliessend übereinander und nebeneinander gelagert.
Eigentlich wär es noch besser sich das als Video Projektion vorzustellen, für jedes Bild wird ein kleiner Projektor vor dem Modell aufgebaut der es passend projeziert. Hört sich kompliziert an, aber: sie habens hingekriegt!

MS SeaDragon nennt das ganze PhotoSynth, und es geht weniger um ein 3D Gittermodell, das wird quasi nur als Zwischenschritt unsichtbar im Hintergrund errechnet, sondern um die Bilder als solche, die jetzt allesamt nahtlos im 3D Raum projeziert stehen, frei rotierbar von allen Seiten zu sehen, zu zoomen, etc...
Es kommt eine monströse Collage aller Bilder dabei heraus, bei dem man sich einen ziemlich guten Eindruck des Doms machen kann. Jedes kleine Gargoyle Tierchen kann man sich aus der Nähe ansehen, oder weit heraus für einen Panorama Rundblick.

Statt Kölner Dom ist's mit dem Petersdom schon jetzt anzugucken und wenns auch nicht alltagstauglich für jedermann sein mag, und manche pragmatischen Kleingeister es vielleicht sogar als nutzlos kritisieren werden, ist es doch ein erfrischend anderer Ansatz...

Aber mal einfach selber gucken:

ein Video von beträchtlicher Größe, am besten runterladen und später gucken.
http://labs.live.com/photosynth/video.html

Ich hätte es doch noch ein wenig früher hier posten sollen, jetzt ists gerade slashdotted.
Dürfte aber auch schnell auf YouTube findbar sein.

ein weiteres
http://labs.live.com/photosynth/videodemo.html

noch was anderes ähnliches in der Ecke, aber klein
http://www.picturecloud.com/tour.php

ähnlich aber auch einfacher
http://www.zoomify.com/customers/

http://www.getty.edu/art/exhibitions/flemish/home.html

http://www.nationalgeographic.com/lostgospel/document.html?fs=www9.nationalgeographic.com

http://www.zermatt360.ch/de/zermatt_und_umgebung/sonnenaufgang/

und eine längere Beschreibung des charmanten Blaise selbst, im MS eigenen Channel 9
http://channel9.msdn.com/

PhotoSynth hat ein bisschen was von "Minority Report" wo Tom Cruise inmitten der Luft Bilder hängen hat und mit Händen fuchtelt. Vielleicht ist das ein Interface, aber eventuell auch nur für Scientologists. Die poetische Freiheit hat sich noch nie viel um so Kleinigkeiten wie Physik scheren müssen: da konnte auch schon vor Jahrzehnten ein Hilferuf an Superheroes mit dem Batsignal gemacht werden: der Lichtkegel in den Himmel hörte einfach irgendwo auf und liess das bekannte Batman Logo erscheinen. Wohlgemerkt nicht auf eine Wolke projeziert, sondern einfach ein sauberer kreisrunder Kegel, der abrupt aufhört. Toll. Da hab ich schon mit 10, 11 drüber gegrübelt, wie denn das wohl sein kann. Tom sollte da wohl auch nicht lange nachdenken, wie die Bilder im Raum hängen sollen. Wenns projeziert auf Glasholofolie sein soll, dann gibts das eh schon lange. Aber so mondän simplistisch wär wohl zu platt oder ?
So wird es ebenso immer wieder ganz simple Grenzen geben was wirklich machbar ist und was nicht. Freischwebende Hologramme, gar Menschen die holografisch unter uns wandeln, tut leid, kann einfach nicht sein.
Was nicht heißt das man nicht in einem Volumen Bilder erzeugen kann, schon 1977 saßen wir mit Joseph Liston von AstralVision zusammen, der zwei unsichtbare Laser in einem unsichtbaren Gas überlagern wollte, wo dann ein sichtbarer 3D Pixel = Voxel entsteht. Das ist später durchaus realisiert worden und wer weiß ob es nicht beim Militär genau so in der Ecke steht für Command & Conquer Communications.
Ist dann aber immer noch in einem Glaswürfel, nicht frei. Und die ganzen pseudo 3D Bilder mit Schliereneffekten oder Lenticular Lens Effekten - wir haben schon seit Jahren das Jena 4D TV System hier gehabt, in CRT und auch als Plasma. Sehr effektive Sache... Allerdings weit von "im Raume schwebend" ist ja auch klar.
Dutzende von Links, lässt sich aber mit "lenticular 3D" zB sehr leicht googeln alles.

Aber es gibt immer diese "an den Haaren herbeigezogenen" überkomplexen Visionen der Zukunft, Städte unter Glaskuppeln, fliegende Autos... wenn es viel sinnvoller und spaßbringender ist einfache Lebensqualität zu schaffen mit ganz kleinen Erfindungen. Statt 3D HoloTV hätte ich lieber endlos kachelbare Panels.
Einfach nur ein kleines 30x40cm Panel für sagen wir €200 aus dem man dann wunderbar sich jede beliebige Größe bauen kann, nahtlos und randlos aneinander kachelbar, automatisch verbunden und zusammen gescanned für jedes beliebige Signal. Für einen 1.50m Durchmesser würde man dann 9 Stück brauchen...und die Massenfertigung wäre 9 Mal höher, effizienter, bei Pixelfehler nur 1/9el austauschen, etc etc...
Klar, randlos ist nicht ganz trivial, und die Leuchtdichte müsste so eben sein das auch keine Nähte entstehen.
Viele Wenns und Abers, und doch: ich wette in 3 Jahren sieht man sowas in Akihabara.

Um aber gleich mal bei konkreten erwähnbaren Dingen noch etwas anzubauen...

Ja wo laufen sie denn...?
Sehr viele meiner Jungs, sag ich nun so lieb locker wie aus einer Familie, sind überall zu finden und haben die Prinzipien und Ideen und den ästhetischen Ansatz weiter getragen. Manchmal bin ich da noch im Geiste mit dabei, oder auch im Praktischen.

Ben Weiss zB. weiss einiges über vieles, ein begabter Mann. Er fing mit 19 bei mir an ca 1992. Wir sehen uns immer noch fast täglich online und bei jedem Besuch in Santa Barbara alle paar Monate. Auch basteln wir locker an ein paar grafischen Algorithmen, aber ich muss zugeben, kleine plugins für PS sind wirklich nur eine schöne Nebensache...

Ben ist übrigens auch der, der den Healing Brush in PS CS geschrieben hat. Allerding mit dem kleinen Haken dass die große Firma mit A (und BE am Ende) doch leider vergessen hat wie es ihnen auf dem Tisch landete. So kam es zu dem seltenen Fall vom kleinen David der den Goliath besiegt, 3 Jahre vor Gericht... Ben darf allerdings nicht drüber reden. Ist aber nicht schwer herauszufinden, dass es sich um mehr als 6 Nullen handelte... und man gönnts ihm!
Jetzt ist er gerade zur Siggraph 06 mit eigenem Paper unterwegs: eine neuer Ansatz einen der Basisblocks von Image Processing neu zu erfinden: den Median Filter.
Kleiner Einblick darauf hier
http://www.shellandslate.com/fastmedian.html

und mehr Details für die Interessierten in dieser PDF file :
http://www.shellandslate.com/download/fastmedian−5506.pdf

Das "String Theory" Bild da unten ist übrigens 12.000 x 8.000 im Original
und algorithmisch aus einem einzigen schwarzen Helvetica Text auf weißem Hintergrund errechnet.
In der PDF file ist mehr Info glaub ich.
Wenn es nichts anderes in der Welt zu tun gäbe könnte man aus solchen Dingen sicher sowas wie KPT10 basteln, aber irgendwie haben die Leute da draußen nicht mehr so das wirkliche Interesse an kreativen Prozessen, scheints mir. Vielleicht schubsen wir den mal als kleinen 5€ Filter online raus, nur so aus Scheiß ;)

übrigens als nette Seite um mal zu sehen was die Pros mit solchen Werkzeugen machen, hier sind eine Reihe gut retouchierter Bilder. Warten bis die Seite geladen ist, das Bild kommt zweimal! Dann mit der Maus drüber fahren für vorher-nachher:
http://www.retouchme.co.uk/home_02.htm

Ob das ethisch nun soo doll ist wie da manipuliert wird ist vielleicht fraglich, die Resultate erklären aber die Motivation ;) Wenigstens kann man sich selbst etwas besser fühlen zu wissen dass doch keiner wirklich SO aussehen kann... ;)

Meta Informationen der einen Art...
Kleine Update einer anderen Sache: gegen 2002 hatte ich ein paar Mal was von Landkarten und layers darüber erwähnt. Die Verknüpfung von Informationen über reale Dinge gleich an die Karte selbst gebunden fand ich immer schon spannend. Dann kam EarthViewer was dann später GoogleEarth wurde, und viele Dutzend MashUps dazu...
Ziemlich genau so etwas wie WikiMapia
http://www.wikimapia.org/#y=22318637&x=114192238&z=11&l=0&m=a
oder viele andere ähnliche...

Hier immer noch der beste Blog mit allen MashUps ( man beachte auch die Links rechts, viel da )
http://googlemapsmania.blogspot.com/

2005 haben wir für einen grossen Partner eine Studie über das gesamte GEO und GPS Thema gemacht, auch mit der Universität Bonn, über 400 Seiten. Darin wurden viele Prognosen geliefert, von denen sehr viele schon wahr wurden, einige noch ein bisschen ihrer Zeit voraus sind.
Zentrale These war das durch das e911 Gesetz in den USA und Japan alle Handys mit GPS für Notrufe ausgerüstet sein müssen ( eigentlich bereits jetzt schon, leider ist die Deadline verschoben worden) Daraus haben sich mehr als ein Dutzend Hersteller darauf gestürzt für den Markt von Hunderten von Millionen neuer Handys Fingernagel-große GPS Chips zu machen, im einstelligen $ Bereich sogar. In Japan gibt es davon bereits über 20 Millionen GPS Handys. Eine Untersuchung was sich alles dort bereits sehen lässt, mit Einladung eines Professors aus Tokyo hierher, war höchst interessant. Leider kann ich die Studie nicht weiter verwerten im Moment, obwohl nach bald 2 Jahren eigentlich der akute exklusiv Nutzen bereits abgelaufen sein sollte. Mal sehen, vielleicht stelle ich hier nochmal die etwas unverfänglicheren Kapitel zur Verfügung...
Anlass das jetzt zu erwähnen ist das mit etwas Verspätung eine der schöneren Anwendungen nun endlich ins Rollen kommt: Bilder in einer Kamera unmittelbar "taggen" und die Geoposition mit in die Exif Datei zu schreiben. Dadurch kann man also wunderbar einfach nach einer Reise eine Landkarte sehen mit allen Punkten wo Bilder geschossen wurden, die gesamte Route sichtbar.
Eine sehr sehr nützliche und offensichtliche Sache, da warte ich schon sehr lange drauf.
Sony hat nun diese Woche wenigstens schon als Option in "etwas klobig noch aber immerhin" den Anfang gemacht. Als kleiner Schlüsselanhänger 9×3.5cm nimmt es die Position und Zeit auf ( 12 Kanal GPS ) und durch Software wird diese mit den Fotos synchronisiert.
http://www.dpreview.com/news/0608/06080202sonygpscs1.asp#specs

Hier kann man schon mal sehen wie das dann ungefähr nutzbar ist:
http://www.sony.jp/products/Consumer/Peripheral/GPS/GPS-CS1K/TryMapView/try.html

Hätt ich gerne vor einigen tausend Bildern schon gehabt, seufz.
Innerhalb von 15 Monaten sollte es als total Standard in allen neuen DigiCams eingebaut sein und man fragt sich wie man je ohne.... In der Form jetzt ist es nur bedingt lustig, 2-teilig, der Prozess in 2 Schritten, und nochmal $150 extra, da werden es nur die wirklich extra-interessierten kriegen. Aber so fängts immer an, wenigstens gehts los.

Meta Informationen der anderen Art...
Und da ich immer wieder gefragt werde, vielleicht mal eben eine kleine update wo sich die vielen Leute aus der innersten Meta Bande verstecken.... Die sind überall verstreut:

Da ist Phil Clevenger der gerade das Interface von Lightroom bei Adobe gemacht hat... Auch da sieht man dass es nichts mit bunten Knöpfchen zu tun hat.

Auf der anderen Seite Joseph Linaschke, der bei Apple mit Aperture rumsaust, auch mit Motion und FinalCuts oft auf der Bühne steht mit SteveJ. Auch bei Apple ist Frank Casanova, Director of Quicktime da. Und soweit ich weiss ist auch Mark Zimmer noch in der 3D Gruppe dort.

Kai Gradert, auch einer der ganz frühen mit hier auf der Burg, hatte mit Phil das sehr interessante HelloWorld gebaut hatte, eine Art geozentrisches kollaboratives p2p Netzwerk mit einer Weltkarte als visuelle Referenz...
http://www.cooperatingsystems.com/helloworld/screenshots/fullscreen/002.html
Leider war es lange vor Google Earth und Maps quasi ein MashUp etwas vor seiner Zeit und gleichermassen mit der Nutzung des Gnutella nets wiederum unglücklich am Ende der p2p Phase, bevore Napster und ähnliches implodierte. Viele sehr schöne Ideen in einer schlichten-aber-schicken Umsetzung warten da irgendwie noch auf eine zweite Chance. Kai ist inzwischen frisch verheiratet in S.F. und beginnt gerade bei Google...

Mit Ben arbeitete damals Andrea Pessino ( keine Frau sondern ein waschechter Italiener ) an den Grundlagen hinter den Meta Apps, eine Basis Technologie die "Axiom" genannt wurde. Er ging danach zu "Blizzard" und hat dort wesentliche Teile von Word of Warcraft mitverfasst. Jetzt ist er mit einer kleinen Gruppe unabhängig in dem Spiele Bereich aktiv in "ReadyAtDawn". Damals hatten Andrea und Ben einen Vorschlag unterbreitet, der sehr sehr sinnvoll gewesen wäre, aber seiner Zeit etwas voraus, und der neuen Firmenführung bei Meta kaum zu vermitteln: die gesamte Axiom Engine für real time effects in hard accelerated OpenGL zu portieren. Hut ab für die visionäre Sicht der beiden, schade dass auch ich mich in meinen letzten Zügen in der Firma nicht mehr dafür durchsetzen konnte. Viele der Echtzeiteffekte die damals noch versteckt in den Splash- oder Helpscreens von Soap, Show, Soap2, Amazon und anderen versteckt waren, wie zB flüssige Wasserwellen wenn ein neues Element auftaucht ( im wahrsten Sinne des Wortes..; ) werden erst jetzt, fast 10 Jahre später und mit massiv anderer Hardware wieder als ganz neu in Vista und Leopard auftauchen. Aber schön dass man damals einen Anstoss geben konnte.

Auch aus der ersten Gruppe hier noch war Robert Bailey, ebenso verheiratet - mit einer deutschen Barbara - der mit Michael Herf als Programmierer und anderen bei IdeaLabs die schöne Weiterentwicklung von Ideen für Soap und Album in "Picasa" machte. Herf hatte vorher vieles in KPT programmiert...
Picasa wurde dann ja bekanntlich an Google verkauft und erfreut sich vieler Millionen Downloads :)
Die beiden arbeiten da immer noch. Picasa findet man leicht bei Google, jetzt auch für Linux.

Robert war auch Teil des Teams mit Jackson Ting, die beiden hatte die unglaublichsten detailierten Bilder in Bryce 2 gemacht und kamen zu mir und haben dann gleich das Bryce 3 UI gemacht, nach Eric Wenger.
Eric ist aus S.F. wieder zurück nach Paris, wir haben uns gegenseitig besucht und ich habe mit einer Alpha Version einige hundert Bilder für den wahnsinnigen T221 monitor hier gemacht in 3840 x 2400. Wunderbar! Eric hat mit MetaSynth und ArtMatic aber auch noch viel am Hut. Er war immer eine einzigartige Kombination von Künstler/Programmierer von denen es nicht viele gibt.

Sree Kotay ist Sr Vice President bei AOL. Eigentlich schade, denn er war einer der brilliantesten Programmierer die mir je untergekommen sind. Wenn andere noch Konzepte an Whiteboards gekritzelt haben, war er schon mitten in der Umsetzung und zeigte oft am gleichen Tag noch erste Resultate... Ob er da wohl noch zu kommt bei AOL?

Die gute Ath war von Goo über Soap über Show und viele andere eine der zentralen Designer bei Meta und mit prägend für den Stil. Wir haben über 10 Jahre hinweg sehr viele Projekte gehabt und nach einer Zeit in Neuseeland ist sie seit einem Jahr in Maryland zuhause vor ihrem Quad mit Cinema 30". Da kommt noch einiges später zu beschreibendes...brilliante Arbeit.

Neuseeland ist auch wo sich ein kleines Nest von anderen Ex Metanoids befindet: in einem großen Haus auf der Nordinsel bei Auckland quasi im Walde sind Matt Fox Wilson und Andy Bearsley versteckt mit manchmal 5 oder mehr Leuten und Katzen und vielen Hunden. Wir haben sie da im Busch besucht und sie waren einige Male hier, auch für Wochen dann... denn wir arbeiten schon ziemlich lange parallel an dem sagenumwobenen "TD" Projekt.
Mike Van Bokhoven ist da auch zentral mit dabei, sehr gute Jungs!
Was sie über die letzten Jahre separat herausgebracht hatten, hier auch öfter mal erwähnt, war ein komplettes Paint Programm Names "ArtRage" eine Alliteration an Outrage natürlich. Outrageous! sagt man wohl so wie "Wahnsinn!" und das Ding ist wirklich nicht übel, besonders wenn man sich den Preis betrachtet, nämlich umsonst für die Basis Version und gerade mal $20 für die erweiterte Pro.
Querverbindungen überall: die Kiwis, wie wir sie nennen, haben auch HelloWorld geschrieben, und davor KPT 5 und 6 zu großen Teilen... Hier ein paar Links zu Ecken die vielleicht noch nicht jeder gesehen hat... :
http://www.ambientdesign.com/artragefeatures.html
http://www.ambientdesign.com/tutorials.html

Rummel vs Murmel
Bei manchen Sachen hab ich noch hier und da nen Finger mit drin, unterstütze ein paar Jungs hier und spiele Ratgeber dort, sitz mal im Board anonym und hole bei anderen Skizzen raus wenns helfen könnte. Es macht mir auch sehr viel Spaß zu multiplexen. Aber ich machs sehr sehr leise hinter der Bühne, denn was ich wirklich nicht sonderlich brauche ist der ganze Rummel drumrum, täglicher Schwall von emails, Faxe, Besucher ohne Ende...

Ich dachte ich könnt's, ich dachte man kann delegieren.
Aber nein, irgendwie blieb es doch immer an mir hängen, Termiten im Terminkalender, jeder Tag durchlöchert. Dabei liebe ich genau andersherum eine weiße Leinwand, ein klarer leerer Tag aus dem noch alles werden kann.
Selbst ein kleiner Besucher um 16h ist da wie ein roter Klecks mitten auf so einer "pristine empty canvas".

Und genau den Traum habe ich mir erfüllt, langsam aber stetig. Ein Presseembargo, fast alles abgesagt an Einladungen und Beteiligungen, Aufsichtsratsplätze und Beraterverträge, Lifetime Achievement Awards, Professuren in den Wind geschlagen nur um mir meine Zeit zu schützen, meine leere Leinwand...
Vau an meiner Seite und ein kleines eingespieltes Team von guten Leuten wie Mario und Björn, (winke auch an neue Gesichter hier wie Franziska, die unsere weggeheiratete Andrea ersetzte, und auch Ilona, Käthe, Mireille...) was brauch ich schon mehr ?
Es gibt nichts schöneres als vollkommen terminlos zu sein, keine Verpflichtungen, keine ToDo Listen, keine deadlines, quarterly results, keine Erfolgszahlen, Profit Prozentsätze, fuck it !
Stattdessen rundum die Uhr an unseren eigenen Projekten basteln, zeitlos, bis in die Puppen, endlos...

Dazu gehört natürlich auch, ich gebs ja zu und habs immer wieder hier gesagt: die Webseite hier ist sowas von sporadisch und abstrakt, es ist eher ein Drosselmanöver als irgendwas, und schon gar nicht auch nur im Geringsten eine PR Aktion oder gar Magnet... Inzwischen ist es eher ein kleines Lebenszeichen für die kleine Kerngruppe von Leuten, die trotz allen Unkenrufen, entgegen aller Stille und offener Fragen immer noch eine Art wohlwollenden Zweifel behalten haben, dass ich unter der Oberfläche ziemlich aktiv bin.

Schwierig nur diesen Zyklus zu durchbrechen. Alle 3-4 Monate schubst mich ein Redakteur der c't an, ob wir denn nicht endlich dieses Interview rausbringen könnten, das eigentlich schon 2 Jahre fast fertig da liegt. Aber wir waren uns beide einig: ohne konkrete Projekte und Inhalte, nur als Gespräch über die Welt, das war uns nicht genug. Und ich mag keine Vorschusslorbeeren für Dinge die noch nicht sichtbar sind, geschweige denn alte Lobhudeleien über Sachen die ich schon 10 Jahre in meinem Kopf abgehakt habe. Meine Arbeit war weißgott nicht "ein paar lustige Plug-Ins" und darauf werde ich mich nicht reduzieren lassen.

Es ist ein schwieriger Tanz zwischen der vollkommenen Isolation und der maximierten Effektivität.
Für eine Weile noch bleibe ich in meinem wunderbaren Elfenbeinturm und lass alles abgleiten. Wofür hat man denn ne Burg, verdammich.. ;) Die Welt kann mich mal.

Ja, ich gebs ja zu: ich verstecke mich sinnlos gerne hier.
Hätte das nicht jeder gerne?
Sich zurückziehen in seine Burg und das Gatter zuziehen.

Tja ich hab nunmal eine,
wundert sich da jemand,
dass ich das tue?
: )

Bits of Beauty
Aber zum Abschluss noch ein paar eher handfeste und konkrete Sachen.
Christopher, der Mann der Geschenke aussuchen kann wie kein anderer, schenkte uns ein Buch in L.A. über ein Projekt dass hier noch nicht angekommen ist, aber man sollte es sich vormerken als eines der inspirierendsten Kunstwerke überhaupt. So etwas kommt einem wirklich nicht oft vor die Augen. Als Einführung dazu etwas ausholen:
Ich habe zwar oft schon Andy Goldsworthy erwähnt, ein lieber wortkarger Schotte ( den ich mit pg kennenlernte und vollkommen unterschätzte bis viel später ) der das Feld der etwas trocken betitelten LandArt wohl begründete kann man sagen. Die Bildbände - allesamt bei 2001 zb zu sehen... - sind eine Symbiose der vergänglichen Prozesse selbst und der Photographie dies festzuhalten.
Ein weiterer Geheimtipp in der Ecke ist die Kunst von Daniel Ost, ein Belgier der ebenso wie Goldsworthy vergängliches mit natürlichen Materialien macht, aber vielleicht noch intensiver den schöpferischen Aspekt hineinbringt: er kreiert quasi Ultra-Gestecke von Blumen aller Art, in den seltsamsten Kombinationen und Formen. Kein Wunder dass uns auch das Buch durch Christopher erreichte, und dazu noch signiert ;)
Jetzt aber hat er sich noch einmal steigern können, denn wir haben eins der wunderbaren handgebundenen Leder imprägniert mit Faserpapier gestanzt bemalt und bedruckten Bücher von der Ausstellung Ashes and Snow. Gregory Colbert, ein Canadier, hat hier ein einzigartiges Werk geschaffen: 14 Jahre lang hat er auf Reisen durch Indien, Tibet und anderen Ecken Asiens tausende von Bildern gemacht, dazu Videos gedreht, alles gesammelt. Und dann umgesetzt in ein Gesamtkunstwerk in einem eigens dafür gebauten riesigen Zelt Museum alles gezeigt und in Büchern festgehalten. Wir haben es leider sowohl in Venedig als auch NYC und Santa Monica verpasst, aber allein das Buch schon ist absolut wunderbar.

Einen Eindruck kann man auch in der sehr lieb gestalteten aufwendigen Webseite sehen, aber dazu eine saubere Maschine haben, in 1024 mit Breitband und gut ne Viertelstunde mitbringen, denn da wird viel geladen und gezeigt. Ruhe sollte man haben und vielleicht auch Kopfhörer auf.
http://www.ashesandsnow.org/
die Enhanced Seite links wenns geht....

Irgendwie imponiert mir daran auch dieser leise Ansatz, sich so lange vorzubereiten ohne jeglichen Druck von außen. Und es dann richtig zu machen.
So oft denke ich wie viele Künstler immer wieder aufs Neue eins nach dem Anderen rausschubsen, und ob sie es alles wirklich sooo nötig haben? Brauchen sie das Geld wirklich so dringend ? Oder ist es die Massenliebe, ohne die sie nicht mehr atmen können ?
Woody Allen zB hatte so wunderbare Filme gemacht, aber insgesamt hätte er mit einem Drittel davon, dreimal so langsam kreiert, vielleicht viel mehr bewirkt?
Sicher würde er das anders sehen. Aber es gibt so viele Bands zB, die eine Handvoll unglaublich gute Musikstücke geschafft haben, das aber nur mit 3 oder 5 oder 10 mal so vielen "knapp daneben" Versuchen, manchmal sogar total völlig daneben.
Aber man kann sich da auch nicht fair hineindenken, warum sie es tun und ob es anders ginge. Ich hab hier gerade zB die gesammelten Werke von Bach, Beethoven und Mozart vor mir (klasse Edition von 2001, unglaublich effektive Preise auch weit unter einem Euro pro CD!). Da fragt man sich dann auch, ob nicht ein Zehntel der Masse hätte sein können, und hätten sie noch mehr von ihrem einzigartigen Wissen und ihrem Verhältnis zur Musik vielleicht beschreiben können in Büchern und damit ebenso wichtige Hinterlassenschaften machen können...
Aber auch das sieht vielleicht jeder anders.

Nicht ganz zufällig wohl passt auch da was laut Beethoven Haus in Bonn seine letzten geschriebenen Worte sein sollen, und zwar die eines Aphorismus, den er im "musikalischen Opfer" vertont hat, der aber allgemein immer Georg Lichtenberg (wunderbar, die Sudelbücher!!) zugesprochen wird:

Wir irren allesamt
doch jeder
irret anders

 

 

 

 

 

Es ist schon schön irgendwie:
plötzlich kommen all diese Mails,
aus allen möglichen Ecken der Welt,
die Leute scheinen sich geradezu richtig Sorgen zu machen ;)
Immer wieder in den seltsamsten Varianten heisst's dann: "Hey Kai, Hallo Byteburg..."
"Sag mal gibt's euch noch?" "Alles ok bei euch?" "Was MACHST du denn dann da nun ???"

Aber um das mal alles abzukürzen:
Ich bin mir sehr bewusst, dass ich mich nicht wirklich um die Updates hier gekümmert hab,
aber es handelt sich dabei um einen Fall von "No News is Good News",
hier sogar "gar keine Nachrichten waren bei uns extrem gute Nachrichten..." !

2005 war einfach ein wunderbares Jahr, absolut eins meiner schönsten irgendwie.
Und auch erfolgreichsten, bei vielen Sachen weiter im Aufbau.
Aber: nicht bei allen spielt sich das alles auf einer öffentlichen Ebene ab. Tut leid.